In einem entschlossenen Schritt hat die Gewerkschaft ver.di für den Faschingsdienstag (17. Februar) und den Aschermittwoch (18. Februar) zu einem ganztägigen Streik im Bamberger öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) aufgerufen. Diese Maßnahme wird aufgrund des mangelnden Entgegenkommens des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Bayern (KAV) ausgeweitet. ver.di betont dabei, dass die Streiks nicht gegen die Fahrgäste gerichtet sind, sondern gegen die Arbeitgeber, um auf die drängenden Forderungen der Beschäftigten aufmerksam zu machen.

Die Streiks fallen in die Faschingsferien, was bewusst gewählt wurde, um den Schülerverkehr nicht zu beeinträchtigen. Am Faschingsdienstag ist um 9:30 Uhr eine Streikkundgebung im Verkehrsbetrieb in der Georgenstraße geplant. Die Gewerkschaft fordert eine Entgeltsteigerung von 668,75 Euro sowie Verbesserungen bei der Arbeitszeit, darunter eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit und eine Mindestruhezeit von elf Stunden. Diese Forderungen sind Teil einer breiteren Bewegung, die sich mit dem hohen Arbeitsdruck und den sinkenden Reallöhnen in vielen Branchen auseinandersetzt, wie ver.di berichtet.

Hintergrund der Streiks

Die Mitglieder von ver.di streiken nicht nur für mehr Geld, sondern auch für Respekt und Anerkennung ihrer Arbeit. Der Arbeitsdruck in den von ver.di organisierten Branchen ist dauerhaft hoch, und die Reallöhne sanken im Jahr 2022 um 4,1 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Inflation, die laut statistischem Bundesamt im Jahr 2022 bei 7,9 % lag und im Januar 2023 sogar 8,7 % erreichte, hat die wirtschaftliche Situation vieler Beschäftigter zusätzlich verschärft. Prognosen deuten zwar auf ein leichtes Abflachen der Inflation hin, jedoch bleibt das Niveau hoch, was insbesondere Familien mit niedrigen Einkommen stark belastet.

Die Arbeitgeber nehmen ihre Verantwortung in dieser Situation oft nicht wahr und rechnen die Inflation klein, während der Staat von den Preissteigerungen durch hohe Steuereinnahmen profitiert. Besonders gravierend ist die Lage in der Deutschen Post AG, die Rekordgewinne verzeichnet, während die Beschäftigten weiterhin mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen müssen. Höhere Löhne werden dabei nicht als Ursache für Preissteigerungen angesehen, was die Forderungen nach einer Stärkung der Binnennachfrage umso dringlicher macht.

Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst

Die aktuellen Streiks in Bamberg sind Teil einer größeren Diskussion über die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst. Eine Tarifeinigung im Öffentlichen Dienst der Länder wurde nach intensiven Verhandlungen erzielt und betrifft 925.000 Tarifbeschäftigte, verhandelt von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Diese Einigung gilt in den meisten Bundesländern, mit Ausnahme von Hessen, und umfasst eine Gehaltserhöhung in mehreren Schritten bis Januar 2028. Doch in Bayern wird dieser Tarifvertrag erst sechs Monate später übernommen, was die Situation der Beschäftigten dort zusätzlich kompliziert.

Die Gesamtkosten des Tarifabschlusses belaufen sich auf 12,34 Milliarden Euro, und die Gewerkschaften hatten ursprünglich 7 % mehr Gehalt gefordert. Die Verhandlungen waren von Warnstreiks in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Dienstes begleitet, was die Dringlichkeit der Forderungen unterstreicht. Die Streiks in Bamberg sind ein klares Signal, dass die Beschäftigten in der Branche für ihre Rechte und bessere Arbeitsbedingungen kämpfen, um die Zukunft der Arbeit in den ver.di-Branchen nachhaltig zu sichern.