Am Landgericht Braunschweig beginnt ein neuer Prozess, der die Schatten des berüchtigten VW-Dieselskandals erneut aufwirft. Fünf ehemalige Führungskräfte des Unternehmens müssen sich vor Gericht verantworten. Dabei geht es nicht nur um persönliche Strafen, sondern auch um Millionen von Euro, die durch betrügerische Machenschaften verloren gingen. Laut NP Coburg könnte sich dieser Prozess bis Ende 2026 hinziehen.
Die Vorwürfe sind erschütternd: Die Angeklagten sollen von der Manipulation der Abgaswerte gewusst und maßgeblich an der Entwicklung der betreffenden Software mitgewirkt haben. Der Dieselskandal, der 2015 ans Licht kam, betrifft rund neun Millionen Fahrzeuge und führte zu einem finanziellen Desaster von mehreren Milliarden Euro. Die Taten reichen bis ins Jahr 2006 zurück und sind alles andere als verjährt.
Schmerzhafte Konsequenzen und mögliche Strafen
Anklagepunkte wie gewerbsmäßiger Betrug, Steuerhinterziehung und strafbare Werbung könnten zu drastischen Strafen führen. So drohen den Angeklagten für Betrug bis zu zehn Jahre Gefängnis. Für Steuerhinterziehung sind ähnliche Strafen möglich. Bereits in den USA wurde gegen frühere VW-Manager hart durchgegriffen, während es in Deutschland bereits Urteile gab, darunter eine Bewährungsstrafe für den ehemaligen Audi-Chef Rupert Stadler. Martin Winterkorn, der frühere Vorstandschef von VW, ist bislang nicht angeklagt, da sein Verfahren aufgrund gesundheitlicher Probleme eingestellt wurde.
Der erste große Betrugsprozess in Braunschweig endete 2025 mit Verurteilungen von vier früheren Führungskräften. Gerade in der aktuellen Situation zeigt sich, wie weitreichend die Konsequenzen des Skandals sind und wie wichtig rechtliche Nachspiele für die Aufarbeitung sind.
Der Motor des Skandals
Ein wichtiger Aspekt des Skandals ist die Technik dahinter, nämlich die Motorenfamilie EA888.3 von Volkswagen, die seit 2011 in verschiedenen Modellen Verwendung findet. Diese Motoren sollten eigentlich Fortschritte in Effizienz und Emissionskonformität bieten und wurden ab 2012 in Fahrzeugen der VW-Gruppe eingeführt. Der VW Forum beschreibt, dass der EA888 Gen 3 den Vorgänger EA888 Gen 2 ersetzt hat, mit Hochleistungsvarianten, die ab 2013 in Fahrzeugen wie dem Golf R und Audi S3 verbaut wurden.
Die Dieselmodelle, betroffen durch die Manipulationen, sind unter den Verbrauchern nicht unbeachtet geblieben. Der schädliche Einfluss auf die Umwelt und der Verlust an Vertrauen sind enorme Herausforderungen für die Marke VW, die letztendlich auch den Absatz ein Stück weit beeinflussen könnten.
Ein Blick in die Zukunft
Der bevorstehende Prozess könnte nicht nur zur Aufklärung der Vorfälle führen, sondern auch zur Entwicklung von neuen Strategien innerhalb des Unternehmens. In einer Zeit, in der umweltfreundliche Mobilität zunehmend im Vordergrund steht, wird es für VW schwierig, das gestörte Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen.
Die nächsten Monate werden entscheidend sein. Ob die in Braunschweig geführten Verfahren die Wende bringen können, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: Der Dieselskandal hat den Automobilkonzern tief erschüttert und lässt die Frage offen, wie weit die Verantwortung für solche Machenschaften reicht.