Am Sonntag fand in der Vermarktungsanlage Osterhofen im Landkreis Deggendorf die zentrale Jahresversammlung des Zuchtverbands Fleckvieh Niederbayern und des Milcherzeugerrings (MER) Niederbayern statt. Bei einem gemeinsamen Mittagessen hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, sich über die aktuellen Herausforderungen in der Milchproduktion auszutauschen. Die Berichte der Vorsitzenden Sebastian Mühlbauer und Wolfgang Paulik standen im Mittelpunkt der Veranstaltung, die sich mit Leistungsergebnissen, der Vermarktungssituation und Ehrungen für züchterische Leistungen befasste.
Ein zentrales Thema war die Entwicklung der Milchleistung in Niederbayern, die laut Josef Tischler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Abensberg-Landshut im Vergleich zu anderen bayerischen Zuchtverbänden „ungefähr in der Mitte“ liegt. Trotz eines Rückgangs von 49 Betrieben und dem Verlust von 852 Kühen im letzten Jahr, zeigt sich eine positive Tendenz: Die verbleibenden Betriebe sind im Durchschnitt um eine Kuh größer geworden. Tischler führt diesen Rückgang auf die hohen Milch- und Fleischpreise zurück, warnt jedoch, dass für das kommende Jahr mit höheren Abgangszahlen gerechnet wird.
Leistung und Auszeichnungen in der Zucht
Die Leistungsergebnisse der Betriebe blieben stabil, was Tischler auf eine schwächere Futterqualität und die Blauzungenkrankheit zurückführt. Zunehmend wird die Zucht auf Fitness und Langlebigkeit der Tiere fokussiert. Besonders hervorzuheben sind die Auszeichnungen für herausragende züchterische Leistungen: Die Familie Stifter GbR aus Birkenöd wurde für die Kuh „Miezi“ mit 108.663 kg Lebensleistung geehrt, während die Familie Maximilian Knogl aus Hitting mit „Conny“ auf 101.333 kg Lebensleistung kam. Die höchste Gesamtleistung im Landkreis Deggendorf erzielte die Familie Josef Steininger aus Weibing mit 33.092 kg Milch und einem Kuhalter von 5,9 Jahren.
Auch die Familie Josef Knapp aus Winzer konnte sich freuen: Sie errang die höchste Durchschnittsleistung in der Betriebsklasse über 80 Kühe mit 12.352 kg. In der Betriebsklasse von 40 bis 80 Kühen setzte sich die Familie Karl Penzkofer aus Hubing durch, während die Familie Franz Haas aus Maign in der Klasse bis 40 Kühe den ersten Platz belegte. Sebastian Mühlbauer überreichte den stolzen Züchtern die Urkunden und würdigte ihre besonderen Leistungen.
Das EU-Mercosur-Abkommen und seine Auswirkungen
Ein weiterer wichtiger Punkt der Versammlung war die Diskussion um das EU-Mercosur-Abkommen, das Zölle und Handelshemmnisse zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay abbauen soll. Der BBV-Bezirkspräsident Siegfried Jäger sprach sich klar gegen den Agrarteil des Abkommens aus und forderte Nachbesserungen, da viele deutsche Landwirte, insbesondere in Bayern, Sorgen über die Konkurrenz durch große südamerikanische Landwirtschaftsbetriebe äußern. Landwirte wie Gerhard Gruber aus dem Landkreis Rottal-Inn kritisieren, dass kleine bayerische Betriebe strengen Vorschriften unterliegen, während große südamerikanische Betriebe andere Voraussetzungen haben.
Das Abkommen könnte Zölle auf südamerikanisches Rindfleisch senken und damit die Gefahr bergen, dass große südamerikanische Betriebe kleinere europäische Betriebe verdrängen. Roberto Guercetti, der Chef des argentinischen Betriebs CONECAR, sieht das Abkommen positiv und hat seinen Betrieb auf offene Märkte vorbereitet. In der Diskussion um das Mercosur-Abkommen sind auch Pestizide ein zentrales Thema, da in Südamerika viele Wirkstoffe erlaubt sind, die in der EU verboten sind.
Schutz und Chancen für die bayerische Landwirtschaft
Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber kommentierte die Einigung im Europäischen Rat zum EU-Mercosur-Abkommen und bezeichnete es als strategisch wichtigen Schritt für die geopolitische Handlungsfähigkeit der EU. Sie betonte die Notwendigkeit, wirtschaftliche und politische Abhängigkeiten zu vermeiden und Partner mit gemeinsamen Werten zu suchen. Kaniber sieht das Abkommen als Chance für Europa und Bayern, vorausgesetzt, es werden wirksame Schutzmaßnahmen für die bäuerlichen Betriebe getroffen. Nachgeschärfte Schutzinstrumente und engmaschige Marktüberwachung sind entscheidend, um die Landwirtschaft vor unfairen Wettbewerbsbedingungen zu schützen.
Mit fairen Regeln und wirksamen Schutzmaßnahmen könnte das Mercosur-Abkommen nicht nur die Wirtschaft stärken, sondern auch die bayerischen Arbeitsplätze sichern. Die Ministerin hob hervor, dass der Binnenmarkt der EU in beide Richtungen funktioniert und somit auch Chancen für bayerische Milchprodukte und Agrar-, Umwelt- und Klimatechnik bietet. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussionen und Verhandlungen weiterentwickeln werden und welche konkreten Regeln letztendlich in Kraft treten werden.
Für weitere Informationen zu den Themen der Versammlung und zum EU-Mercosur-Abkommen lesen Sie die vollständigen Artikel auf pn.de, tagesschau.de und stmelf.bayern.de.