In den letzten Wochen häuften sich alarmierende Berichte über gefährliche Begegnungen von Wildtieren mit menschlichen Abfällen. Besonders tragisch war der Fall eines Igel, der in einem To-Go-Kaffeebecher im Landkreis Dingolfing-Landau gefangen war. Ein aufmerksamer Radfahrer entdeckte das Tier und rettete es, da der Igel sich nicht selbst befreien konnte. Diese Situation ist jedoch kein Einzelfall. Meldungen bei der BUND Naturschutz zeigen, dass solche Vorfälle in den letzten Jahren zunehmen. Wildtiere, insbesondere nachtaktive wie Igel und Füchse, geraten immer wieder in zurückgelassene Verpackungen und andere Müllreste.
Die Geschäftsstelle des BUND Naturschutz in Dingolfing-Landau warnt, dass ein einzelner To-Go-Becher, gefüllt mit Flüssigkeit oder durch zuckerhaltigen Geruch anziehend, für Igel zur Todesfalle werden kann. Jährlich werden in Deutschland etwa drei Milliarden Einwegbecher weggeworfen, was einer schwindelerregenden Zahl von 320.000 Bechern pro Stunde entspricht. Diese Einwegverpackungen führen nicht nur zu erheblichem Müll, sondern stellen auch eine ernsthafte Gefahr für die Tierwelt dar. Die Bevölkerung wird dringend aufgefordert, Abfall ordnungsgemäß zu entsorgen und Einwegverpackungen möglichst zu vermeiden.
Bedrohung der Igel
Der Igel ist eine bedrohte Art, die in Deutschland unter Artenschutz steht. Allerdings leidet die Population, insbesondere in Bayern, stark. Laut dem IUCN wurde der Igel als potenziell gefährdet eingestuft, und der Bestand ist in den letzten zehn Jahren um erschreckende 50 Prozent zurückgegangen, wie National Geographic berichtet. Gartenbesitzer*innen sind oft unbewusst eine Gefahr für die kleinen Stacheltiere, sei es durch die Nutzung von Rasentrimmern oder die Anwendung von chemischen Mitteln, die für die Igel schädlich sind.
Doris Kast, Vorsitzende des Igelhilfevereins aus Landkreis Neu-Ulm, berichtet, dass sie 2023 ca. 1.000 verletzte Igel aufgenommen hat. Der Verein wurde 2022 gegründet und hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Igeln in Not zu helfen. Verletzungen durch Gartenwerkzeuge oder Unfälle mit Hunden sind häufig, und viele Igel kämpfen mit dem Zahnapparat aufgrund von Mangelernährung. Auch die Auswirkungen des Klimawandels, der den Winterschlaf und die Fortpflanzung beeinflusst, sind nicht zu unterschätzen.
Tipps für igelfreundliche Gärten
Was können Gartenbesitzer*innen tun, um ihren Garten igelfreundlich zu gestalten? Eine gute Möglichkeit ist das Anlegen von Verstecken und das Bereitstellen von Futter. Hecken und Gebüsche sollten vor dem Schnitt auf Igel überprüft werden, und Gartenzäune sollten mit Öffnungen versehen werden, um den Igeln die Fortbewegung zu erleichtern. Zudem wird geraten, Mähroboter und andere Maschinen nicht in der Dämmerung oder nachts zu verwenden.
Die Botschaft ist klar: Jeder kann einen Beitrag leisten, um das Überleben unserer Wildtiere, insbesondere der Igel, zu sichern. Achtsamkeit und Verantwortung können dazu beitragen, dass Igel und andere Wildtiere ungestört leben und zu den nächtlichen Akteuren in unseren Gärten bleiben.