Die Regierung plant, den Pflegegrad 1 abzuschaffen, und das hat bereits spürbare Wellen im Landkreis Ebersberg geschlagen. Laut Merkur sind aktuell 4.965 Menschen im Landkreis mit einem Pflegegrad eingestuft, darunter etwa 750 Personen mit Pflegegrad 1. Dies betrifft vor allem Personen mit „verhältnismäßig geringen Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten“, wie etwa bei Wirbelsäulen- oder Gelenkerkrankungen.

Petra Topolko, die Geschäftsführerin der Vitana Pflege, äußert, dass der monatliche Zuschuss diese Patienten oft nicht ausreicht. Die Betroffenen, die Unterstützung bei hauswirtschaftlichen Leistungen und bei der Körperhygiene benötigen, müssen oft einen Restbetrag selbst zahlen. Der monatliche Entlastungsbetrag für häusliche Pflege kann bis zu 131 Euro betragen. Topolko betreut derzeit zwölf Personen mit Pflegegrad 1.

Folgen für Pflegedienste

Die Stimmung unter den Pflegediensten ist angespannt. Marlene Springer, Pflegedienstleiterin der AWO, berichtet, dass sie rund 20 Personen mit Pflegegrad 1 betreut, jedoch an diesen Fällen nicht verdienen kann. Mit einem Stundensatz von 38 Euro können nicht alle erforderlichen Dienstleistungen abgedeckt werden, während Fachkräfte einen Stundensatz von etwa 73 Euro verlangen. Viele Leistungen werden abgelehnt, da sich diese schlichtweg nicht rentieren.

Besonders bedrohlich ist die mögliche Abschaffung des Pflegegrads 1, denn die Einstufung hat weitreichende Folgen. Springer erklärt, dass eine Hochstufung in einen höheren Pflegegrad für einige notwendig ist, da viele, die tatsächlich Hilfe benötigen, momentan nur in Pflegegrad 1 eingestuft sind. Es ist keinerlei Überraschung, dass die meisten Patienten mit Pflegegrad 1 vor allem nach Putzhilfen und hauswirtschaftlichen Leistungen verlangen.

Die lokalen Pflegekräfte stehen vor der Herausforderung, dass die Abschaffung des Pflegegrades nicht nur die Betroffenen selbst erheblich betrifft, sondern auch zu einem Verlust von Einnahmen für die ambulanten Pflegedienste führen könnte. Die Pläne der Bundesregierung haben somit nicht nur finanzielle, sondern auch menschliche Dimensionen, die von der Gesellschaft nicht missachtet werden sollten.

In einem medizinisch und gesellschaftlich so sensiblen Bereich wie der Pflege könnte eine solche Maßnahme weitreichende Konsequenzen haben. Die Betroffenen und die Pflegedienste sind bereit, für ihre Interessen zu kämpfen – denn hier liegt viel auf dem Spiel.