Walter Thumann ist ein Name, der in der Welt der Klavierbauer immer wieder erwähnt wird. Der 54-Jährige führt seit 25 Jahren einen Piano-Service in Giggenhausen und ist der letzte seiner Zunft in der Region. In seiner Werkstatt dreht sich alles um den echten Klavierklang, den er nicht nur in seiner Werkstatt umsetzt, sondern auch auf der großen Bühne für weltbekannte Künstler. Zu seinen prominenten Kunden zählen Größen wie Elton John, Bruce Hornsby und die Eagles, für die er so manches Klavier stimmte. Aber das ist nur ein Teil seiner Erfolgsgeschichte, die er mit Leidenschaft und Engagement lebt.
In den letzten zwei Jahrzehnten hat Thumann viel mehr als nur Klaviere gestimmt. Nach zehn Jahren beim Münchner Pianohaus Lang wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit und hat sich seither einen Namen gemacht. Heute verkauft er in seinem Verkaufsraum hochwertige deutsche Klaviere und bietet auch Reparaturservices an. „Ich verkaufe keine Massenprodukte aus China“, betont er und hebt hervor, wie wichtig akustische Instrumente für das Musizieren sind. Thumann weiß um den wachsenden Konkurrenzdruck von E-Pianos, die zwar im Trend liegen, aber klanglich nicht mit ihren akustischen Pendants mithalten können.
Ein Blick hinter die Kulissen
Was genau macht ein Klavierbauer? Thumann, der vor seiner Selbstständigkeit eine dreieinhalbjährige Lehre absolvierte, erläutert, dass die Ausbildung alle Aspekte des Klavierbaus abdeckt. Obwohl die Nachfrage nach klassischen Cembali gering ist, bildet sich der überwiegende Teil der Auszubildenden im Klavierbau weiter. Das Wissen um Materialien und Instrumentenbeschaffenheiten ist essenziell, und praktische Übungen, wie das Aufziehen von Saiten, sind ebenso lehrreich wie grundlegende Theorien. In Deutschland gibt es nur eine Berufsschule für Klavier- und Cembalobauer in Ludwigsburg.
Trotz der Herausforderungen, mit denen Klavierbauer heute konfrontiert sind, bleibt Thumann optimistisch. Der Rückgang an ausgebildeten Klavierbauern in Deutschland ist alarmierend. Im letzten Jahr wurden weniger als 30 Klavierbauer ausgebildet, ein Trend, der sich leider fortsetzt. Thumann sieht jedoch gute Überlebenschancen für sein Handwerk, da noch viele akustische Klaviere in den Wohnzimmern stehen. Dazu gehört auch, dass er die klanglichen Nuancen bei jedem Instrument, das er verkauft, eingehend probiert und stimmt – oft kann dies mehrere Stunden in Anspruch nehmen.
Der Klang der Leidenschaft
Eine der schönsten Erfahrungen für Thumann ist es, wenn die Klaviere, die er einst gestimmt oder repariert hat, wieder auf der Bühne stehen. Besonders stolz ist er auf die Auswahl eines Steinway-Flügels für das Asam-Theater, was ihm in der Branche Anerkennung einbrachte. Dieses Modell, der Steinway D Konzertflügel, gilt als herausragend und wird von Künstlern für unterschiedlichste Musikgenres geschätzt.
Die Bedeutung der akustischen Klaviere ist für Thumann unbestritten: „Ich empfehle, dass Klaviere einmal jährlich gestimmt werden, damit sie ihren vollen Klang entfalten können“, erklärt er. Die Lebensdauer eines Klaviers kann bis zu 100 Jahre betragen, was sie zu wertvollen Erbstücken für viele Familien macht. Viele dieser Instrumente besitzen einen hohen emotionalen Wert für ihre Besitzer und werden oft nur gelegentlich gespielt. Doch Thumann sieht dies nicht als ein Hindernis, sondern vielmehr als eine Möglichkeit, die Klaviere wieder zum Klingen zu bringen.
In einer Zeit, in der der Klang des E-Pianos oft über den des akustischen Klaviers gestellt wird, kämpft Thumann leidenschaftlich für die Bewahrung seines Handwerks und die Förderung des echten Klavierklangs. Seine Hingabe und sein Engagement machen ihn zu einem unersetzlichen Teil der Musikszene und zu einem Bewahrer des Klangs, die viele Generationen überdauern wird.