Am 19. November 2025 findet ein bemerkenswerter Prozess am Landgericht München II statt, der sich mit dem verheerenden Bahnunglück in Garmisch-Partenkirchen beschäftigt, das am 3. Juni 2022 geschah. Im Mittelpunkt des Verfahrens stehen zwei Angestellte der Bahn, die für die Instandhaltung der Strecke verantwortlich waren. Bahnexperte Dieter Doege liefert im Rahmen des Verfahrens aufschlussreiche Erkenntnisse über die Ursachen des Unglücks, die weit über die maroden Schwellen hinausgehen.
In einem Interview mit dem Merkur argumentiert Doege, dass nicht nur der Zustand der Betonschwellen als entscheidend erachtet werden sollte. Laut ihm war auch der Bahndamm ein maßgeblicher Faktor, der zu den tödlichen Folgen des Unglücks führte. Er hebt hervor, dass die Entgleisung nicht als alleinige Unfallursache betrachtet werden kann. Die Entgleisung führte dazu, dass die Wagen die Böschung hinunterstürzten, was man sich wie ein Auto auf vereister Fahrbahn vorstellen kann.
Ein vielschichtiges Problem
Doege hat sich intensiv mit dem Unfallablauf beschäftigt und ist der Überzeugung, dass ein „Pumpen“ der Betonschwellen auf Mängel im Schottergleisbett oder Bahndamm hinweist. Dies ist eine Sichtweise, die im aktuellen Verfahren bedeutend ist, da die Staatsanwaltschaft von einem „reihenweisen Versagen“ spricht, während Doege die primäre Ursache als eine temporäre Störung der Gleislage ansieht. Dies könnte möglicherweise auch durch den Zustand des Bahndamms beeinflusst worden sein.
Ein weiteres spannendes Detail ist, dass der Steuerwagen des Zuges auf den Gleisen blieb, was darauf hindeutet, dass ein temporärer Gleisfehler die Entgleisung verursacht haben könnte. Doege äußert Bedenken, dass eine nachfolgende Überprüfung des Gleises nach der Meldung des Lokführers über einen „Schlenkerer“ nicht zwingend zu einem positiven Ergebnis geführt hätte. Laut seiner Einschätzung könnte eine Fang- und Führungsschiene, die für Bahndämme nicht vorgeschrieben ist, vermutlich das Unglück verhindert haben.
Ein Blick in die Sicherheitsdaten
Parallel zu diesem Prozess hat der Internationale Eisenbahnverband (UIC) in seinem aktuellen Sicherheitsbericht einen deutlichen Anstieg von Bahnunfällen im Jahr 2022 festgestellt. Diese Zahlen können auf den Anstieg des Schienenverkehrs zurückgeführt werden, der sich nach der Pandemie wieder erholt hat. Der UIC stellt fest, dass die signifikanten Unfälle im Vergleich zu 2019 angestiegen sind, jedoch immer noch unter den hohen Zahlen von 2017 und 2018 bleiben. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Herausforderungen im Bereich der Bahnsicherheit weiterhin bestehen und durch Unfallursachen wie die in Garmisch-Partenkirchen zu einer kritischen Diskussion führen.
Die Debatte um Bahnsicherheit und Instandhaltung wird spannender denn je. Was die genaue Rolle der Schwellen spielt, bleibt abzuwarten; die Themen Sicherheit und Verantwortung haben hier eine hohe Stellenwert. Es ist zu hoffen, dass der derzeitige Prozess die notwendigen Aufschlüsse bringt, um solche Tragödien in Zukunft zu vermeiden.