Was geht im Kreiskrankenhaus in Günzburg? Die Stimmung ist angespannt, denn der neue Hebammenhilfevertrag sorgt für hitzige Diskussionen. Carola Dilger-Lott, Beleghebamme und im Team des Krankenhauses aktiv, äußert sich ausgesprochen kritisch zu den Änderungen, die mit dem Vertrag einhergehen. Sie stellt fest: „Das ist eine absolute Katastrophe für die Hebammen.“ Viele ihrer freiberuflichen Kolleginnen in Bayern denken darüber nach, die Konsequenzen zu ziehen und entweder zu kündigen oder haben diesen Schritt bereits gewagt. Der Unmut über die neuen Regelungen ist spürbar, besonders wenn man bedenkt, dass die Unterstützung durch Beleghebammen in Bayern enorm wichtig ist: Über 80% der Geburten in der Region werden von ihnen begleitet. Doch was bedeutet das für die Zukunft der Geburtshilfe?
Um die Situation etwas klarer zu gestalten, ist es hilfreich zu wissen, wie es derzeit um die Beleghebammen steht. Diese gefragten Frauen stellen nicht nur im Krankenhaus eine rund um die Uhr anwesende Hebammenleistung sicher, sondern übernehmen auch die Verantwortung für die Sicherheit und den Komfort der werdenden Mütter. Laut dem Hebammenverband sind sie ein zentraler Bestandteil im deutschen Gesundheitssystem und tragen wesentlich zur Betreuung von schwangeren Frauen bei.
Wesentliche Änderungen im Hebammenhilfevertrag
Am 2. April 2025 hat die Schiedsstelle endgültig über die Änderungen im Hebammenhilfevertrag entschieden. Der neue Vertrag tritt am 1. November 2025 in Kraft und bringt einige weitreichende Anpassungen mit sich. Die Beleghebammen, die für jede Frau, die sie betreuen, bisher 100% ihrer Leistungen abrechnen konnten, sehen sich ab sofort mit deutlichen Vergütungseinbußen konfrontiert. Für die Betreuung einer Frau erhalten sie nur noch 80% der üblichen Vergütung. Dies bedeutet im konkreten Fall, dass Beleghebammen für Eins-zu-eins-Betreuung nun 85,40 Euro pro Stunde erhalten, was zwar eine Verdopplung des bisherigen Satzes von 41,40 Euro darstellt, jedoch gleichzeitig auch Komplikationen schaffen kann.
Für den Hebammenverband ist klar: die Qualität der Versorgung könnte durch diese Einschränkungen gefährdet werden. So berichtete ein Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, dass die Honoraranpassungen im Rahmen des neuen Vertrags dazu führen werden, dass Beleghebammen in Ausnahmesituationen, in denen sie gleichzeitig mehrere Frauen betreuen, erheblich weniger verdienen.
Aussichten für die Hebammen
Die neue Regelung bringt nicht nur weniger Geld für die Beleghebammen mit sich, sondern könnte auch den Druck auf die Geburtshelferinnen in Bayern weiter erhöhen. Laut Carola Dilger-Lott gibt es aktuell in ihrem Team noch keine, die aufgehört hat, doch die Sorgen um die eigene wirtschaftliche Stabilität sind allgegenwärtig. Die Frage bleibt, wie lange diese Situation bestehen kann, ohne dass weitere Hebammen dem Ruf des Berufs den Rücken zukehren.
Letztlich könnte die entscheidende Frage nur die Zeit beantworten: Wird der neue Hebammenhilfevertrag so angenommen, wie er ist, oder müssen schnellstmöglich Änderungsanträge her, um den dringend benötigten Hebammen die Möglichkeit zu geben, ihrer Tätigkeit weiterhin nachzukommen? In einem System, das sich selbst unter Druck sieht, bleibt spannend, was die Zukunft für die Beleghebamme in Bayern bereithält. Denn eines ist gewiss: Eine solch wichtige Versorgung darf nicht auf der Strecke bleiben.