In der Stadt Burgau wird zurzeit ein umfassendes Hochwasserschutzkonzept entwickelt, das die Bevölkerung und die Infrastruktur vor potenziellen Hochwasserereignissen schützen soll. Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth hat dafür ein Konzept erarbeitet, das Burgau gegen Hochwasserereignisse bis zu einem 100-jährlichen Ereignis absichern soll. Diese Planung beinhaltet auch einen Klimazuschlag von 15%, was die Dringlichkeit und Notwendigkeit dieser Maßnahmen unterstreicht. Die Bauarbeiten für die erste Phase, die den Bau eines Hochwasserrückhaltebeckens südlich von Burgau umfasst, haben bereits im Oktober 2025 begonnen.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der zweiten Phase der Hochwasserschutzmaßnahmen, für die das Landratsamt Günzburg die Planfeststellung überreicht hat. Diese Phase sieht nicht nur die Ableitung des Hochwasserabflusses nach Osten und Norden vor, sondern umfasst auch innerörtliche Maßnahmen zur Verbesserung des Abflusses der Mindelärme. Die Notwendigkeit dieser Maßnahmen wurde durch die Hochwasserereignisse im Jahr 2024 eindrücklich verdeutlicht, die weite Teile von Burgau überfluteten.

Hintergrund der Hochwassergefahr

Die Stadt Burgau ist durch Hochwasserereignisse der Mindel bedroht, was nicht zuletzt durch die Bahnstrecke Ulm-Augsburg verstärkt wird, die als Barriere fungiert und den Talraum in Burgau abschneidet. Bei einem Hochwasserabfluss der Mindel, der südlich von Burgau auftritt, beträgt die Flussmenge etwa 135 m³/s – inklusive des Klimazuschlags. Um sich vor der Gefahr eines 100-jährlichen Hochwasserereignisses zu schützen, das in etwa einem Abfluss von 3,5 Olympischen Schwimmbädern pro Minute entspricht, müssen umfangreiche Maßnahmen ergriffen werden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Flussanwohner ein solches Hochwasserereignis in seinem Leben erlebt, liegt bei etwa 55%. Aktuelle Messungen zeigen, dass die Leistungsfähigkeit der innerstädtischen Mindelarme nur etwa 65 m³/s beträgt, was bereits bei mittleren Hochwasserereignissen zu größeren Betroffenheiten führt. So war das Hochwasserereignis im Juni 2024 ein seltenes Ereignis mit einer Jährlichkeit von über 100 Jahren, während das Hochwasser im April 1994 als mittleres Ereignis mit einer Jährlichkeit von 20 bis 30 Jahren klassifiziert wurde.

Geplante Maßnahmen und Kosten

Die geplanten Maßnahmen für den Hochwasserschutz in Burgau sind klar strukturiert und folgen den Planungsgrundsätzen: „So viel wie vertretbar durchleiten, so viel wie möglich zurückhalten und so viel wie nötig ableiten.“ Um die Abflussleistung im Stadtgebiet auf maximal 75 m³/s zu steigern, wird ein Hochwasserrückhaltebecken mit einem Speichervolumen von etwa 1,3 Millionen m³ angestrebt. Dieses Becken soll eine Retentionswirkung von etwa 10 m³/s gewährleisten.

Die Gesamtkosten für die Hochwasserschutzmaßnahmen in Burgau, die sowohl Phase I als auch II umfassen, belaufen sich auf rund 105 Millionen Euro (Stand Mai 2023). Der Antrag auf wasserrechtliche Genehmigung für Phase II wurde am 19. April 2024 gestellt, und das Genehmigungsverfahren läuft. Während des gesamten Prozesses ist eine umfassende öffentliche Auslegung der Pläne in Burgau und Umgebung durchgeführt worden, wobei Anregungen und Einwendungen von Fachbehörden sowie von betroffenen Verbänden und Bürgern berücksichtigt wurden.

Weltweite Klimaveränderungen und ihre Auswirkungen

Die Notwendigkeit von Hochwasserschutzmaßnahmen wird nicht nur durch lokale Ereignisse wie in Burgau klar, sondern ist auch Teil eines globalen Problems. Massive Regenfälle, wie sie Ende Oktober 2024 in der spanischen Provinz Valencia verheerende Überschwemmungen zur Folge hatten, zeigen, dass auch andere Regionen Europas stark betroffen sind. Auch in Deutschland kam es 2024 zu extremen Wetterereignissen, die durch Klimaveränderungen verstärkt wurden. Wissenschaftler warnen, dass die Häufigkeit und Intensität solcher Niederschläge seit den 1950er-Jahren zugenommen hat, was vor allem auf die Klimaerwärmung zurückzuführen ist.

Die aktuellen Hochwasserereignisse, sowohl lokal in Burgau als auch global, verdeutlichen die Dringlichkeit, effektive Hochwasserschutzmaßnahmen zu implementieren. Der Klimawandel erhöht die Wahrscheinlichkeit von Extremwetterereignissen, und es ist entscheidend, dass Städte wie Burgau sich frühzeitig und nachhaltig auf diese Herausforderungen vorbereiten. In diesem Sinne sind die geplanten Maßnahmen nicht nur eine Antwort auf die gegenwärtige Bedrohung, sondern auch ein Schritt in Richtung einer resilienten und zukunftssicheren Stadtentwicklung.

Für weitere Informationen zu den Hochwasserschutzprojekten in Burgau können Sie die detaillierte Planung und die Fortschritte auf der Seite des Wasserwirtschaftsamtes nachlesen: Hochwasserschutz Burgau. Zudem gibt es umfassende Informationen über die Auswirkungen des Klimawandels und die Notwendigkeit von Hochwasserschutz auf der Seite des Deutschlandfunks: Klimawandel und Hochwasser.