Kaufbeuren steht vor einer dringenden Herausforderung: Laut einer aktuellen Untersuchung des Pestel-Instituts fehlen der Stadt insgesamt 800 Wohnungen. Die Lage ist angespannt, denn 420 dieser Wohnungen stehen bereits seit über einem Jahr leer. Das ist keine angenehme Nachricht für die Stadt und ihre Bürger, die dringend neue Wohnmöglichkeiten benötigen.
Die Analyse des Pestel-Instituts schlägt Alarm: Jährlich müssten in Kaufbeuren rund 180 neue Wohnungen geschaffen werden, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. Matthias Günther, Chef-Ökonom des Instituts, beschreibt die Entwicklung im Wohnungsbau als „mit angezogener Handbremse“ und setzt damit einen klaren Fingerzeig auf die dringend notwendige Verbesserung der Bauaktivitäten.
Stadt reagiert auf die Wohnungsnot
Die Stadt Kaufbeuren sieht sich jedoch nicht ungeschoren in der Verantwortung: Sie argumentiert, dass die Wohnbautätigkeit der letzten Jahre falsch dargestellt worden sei und liefert eigene Zahlen, um diese Behauptung zu untermauern. Laut weiteren Erhebungen sind die Bedarfszahlen noch alarmierender: Bis 2028 müssten jährlich 230 neue Wohnungen entstehen, um die wachsende Nachfrage zu decken.
Die aktuelle Situation sieht jedoch trist aus: In den ersten fünf Monaten des Jahres 2023 gab es lediglich 34 neue Baugenehmigungen, was einen Rückgang von 29 % im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Bedenkt man, dass etwa 930 Wohnungen in Kaufbeuren leer stehen, was 4 % des gesamten Wohnungsbestands ausmacht, wird die Dringlichkeit der Situation noch greifbarer. Davon sind 420 Wohnungen ungenutzt, was 45 % des Leerstands entspricht.
Hürden für den Neubau
Doch das Problem ist nicht nur der Mangel an Neubauprojekten. Viele der leerstehenden Wohnungen haben Sanierungsbedarf, was zu finanziellen Hürden für Eigentümer führt. Oft zögern diese, da sie unsicher über die aktuellen Vorschriften sind und aufgrund fehlender politischer Verlässlichkeit die Gefahren eines langfristigen Leerstands fürchten. Ein gewisser Wohnungsleerstand von etwa 3 % ist zwar notwendig für Umzüge und Baumaßnahmen, doch die vielen ungenutzten Einheiten bringen die Stadt in eine prekäre Lage.
Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), äußert scharfe Kritik an der Politik. Sie fordert niedrigere Baustandards, um den Wohnungsbau zu fördern und warnt vor „überzogenen Anforderungen“, die den dringend benötigten Neubau behindern. Zudem bemängelt sie den geplanten Bundeshaushalt für 2025, der lediglich 3,5 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau bereitstellt, während mindestens 12 Milliarden Euro erforderlich wären.
Die Zukunft sieht für die Wohnungsbaubranche nicht rosig aus: Viele Unternehmen müssen ihre Kapazitäten abbauen und Personal entlassen. Metzger spricht von einer möglichen „Absturz-Spirale beim Wohnungsneubau“, should die Politik nicht endlich handeln und die richtigen Weichen stellen, um den Wohnungsbedarf zu decken.
Es ist klar: Kaufbeuren steht vor einer entscheidenden Zeit. Die Stadt hat die Möglichkeit, durch kluge Entscheidungen und engagierte Politik die Weichen für die Zukunft zu stellen und dem Wohnungsmangel entgegenzuwirken.