Heute ist der 4.04.2026 und wir blicken auf die charmante Stadt Kempten im Allgäu, die als die südlichste kreisfreie Stadt Deutschlands gilt. In einem aktuellen Bericht des Klima-Risikoindex des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) und der Ergo-Versicherung wird Kempten als der beste Ort in Deutschland hervorgehoben, um die Klimakrise auszusitzen. Diese positive Einschätzung ist jedoch nicht ohne Kontroversen, denn der Klimaschutzmanager Thomas Weiß äußert Skepsis und verweist auf vergangene Überschwemmungen, die die Stadt betroffen haben.
Während Stürme und Starkregen als die größten Gefahren für Kempten gelten, hat die Stadt im Vergleich zu anderen Regionen relativ gut mit Hitze zurechtgekommen. Der Fluss Iller sorgt zudem für eine nächtliche Abkühlung, was in heißen Sommernächten durchaus hilfreich ist. Tornados werden als drittgrößte Gefahr eingestuft, jedoch prognostiziert man, dass das Risiko bis 2050 nicht nennenswert steigen wird. Ein weiterer Lichtblick: Das Sturmflutrisiko wird bis 2050 auf null prognostiziert, was für die 674 Meter hoch gelegene Stadt eine erfreuliche Nachricht ist.
Herausforderungen des Klimawandels
Die Wetterdaten zeigen, dass die Durchschnittstemperatur in Kempten im letzten Jahr 2,1 Grad über dem historischen Schnitt lag. Ein Blick auf die vergangenen Jahrzehnte offenbart zudem, dass die Stadt im letzten Jahr nur an 35 Tagen Schnee gesehen hat, im Vergleich zu durchschnittlich 105 Tagen vor 30 Jahren. Dies verdeutlicht die Herausforderungen des Klimawandels, die in Kempten, trotz jahrzehntelanger CSU-Herrschaft, unumstritten sind.
Die Stadt hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2035 klimaneutral zu werden. Doch Klimaschutzmanager Weiß äußert Bedenken, ob dieses Ziel tatsächlich erreicht werden kann. Auch der neu gewählte Oberbürgermeister Christian Schoch von den Freien Wählern sieht Klimaschutz als eine existenzielle Herausforderung und hat Bedenken hinsichtlich der IW-Einschätzung geäußert. Gleichzeitig betont er, dass ihm nicht nur die Klimaneutralität wichtig ist, sondern auch die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen, die keine negativen Auswirkungen auf die Bevölkerung haben.
Wetterextreme und ihre Ursachen
Die Herausforderungen, mit denen Kempten konfrontiert ist, sind Teil eines größeren globalen Phänomens. Wetterextreme nehmen weltweit zu, was in direktem Zusammenhang mit der menschengemachten Klimakrise steht. Die Erde wird immer wärmer, was zu mehr Energie im Weltwettersystem führt und sich in Starkregenereignissen, heftigen Stürmen und verheerenden Fluten äußert. Laut einem Bericht von Greenpeace begünstigen steigende Temperaturen in den Weltmeeren Extremwetterereignisse wie Wirbelstürme und Starkregen.
Wissenschaftler und Organisationen wie Greenpeace warnen seit Jahrzehnten vor den Auswirkungen der Klimakrise auf Wetterextreme. Der Weltklimabericht des IPCC hat den Zusammenhang zwischen Klimawandel und extremen Wetterereignissen mittlerweile klar bestätigt. Früher war dieser Zusammenhang unklar, aber jetzt können wir quantitative Aussagen über extreme Wetterereignisse treffen. Wetterlagen wie starke Regenfälle oder Hitzewellen halten sich länger über bestimmten Regionen, was durch den Jetstream beeinflusst wird, der sich aufgrund der globalen Erwärmung abschwächt und langsamer weht.
Die Folgen sind gravierend: Fluten, Hitzewellen und andere Katastrophen sind bereits spürbar und werden uns auch in Zukunft beschäftigen. Kempten ist keine Insel der Seligen, sondern Teil eines größeren, komplexen Systems, das bei der Bewältigung der Klimakrise zusammenarbeiten muss.
Insgesamt zeigt sich, dass Kempten vor großen Herausforderungen steht, aber auch die Chance hat, als Vorreiter im Klimaschutz zu agieren. Die Diskussion über die richtige Balance zwischen Klimaschutzmaßnahmen und den Bedürfnissen der Bevölkerung wird entscheidend sein für die Zukunft der Stadt.