Was gibt’s Neues in der Welt der erneuerbaren Energien? In der Nähe von Landshut wird derzeit ein spannendes Forschungsprojekt getestet. Ein neuartiges Gezeitenkraftwerk, das mit Hilfe von Seilbahntechnik arbeitet, hat gerade seinen ersten Testlauf erfolgreich abgeschlossen. Das Projektteam, bestehend aus Experten der Technischen Universität München und der Hochschule München, hat dafür zwei Jahre investiert, um das Konzept zu erstellen und verschiedene Simulationen durchzuführen. Dabei hat Prof. Robert Meier-Staude, ein Spezialist für Strömungsmechanik, eine entscheidende Rolle beim Design der sogenannten „Kites“ gespielt, die den Motor des Systems ausmachen. Laut umformtechnik.net wiegt der Prototyp um die 100 kg und ist stolze 18 Meter lang.
Mit einem Kran wurde der Prototyp nun in den Mittlere-Isar-Kanal abgelassen, wo die Strömungsgeschwindigkeit konstant 0,6 m/s beträgt – vergleichbar mit den Bedingungen im Meer. Die Konstruktion erinnert an einen Skilift: Umlenkrollen und ein Endlos-Seil sorgen dafür, dass die „Kites“ effizient im Wasser fliegen können. Diese sind so gestaltet, dass sie stabil in der Strömung liegen und mit bis zu 1,5 m/s durch das Wasser rasen können. Die Praxistests zeigen, dass das Gezeitenkraftwerk, das in Zukunft in einer fünffachen Größe realisiert werden soll, durchaus umsetzbar ist.
Ein wichtiger Baustein für die Energiewende
Die Technologie könnte einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende in Europa leisten. Im Rahmen des European Green Deal ist geplant, bis zum Jahr 2050 zahlreiche Kraftwerke zur Nutzung von Meeresenergie zu installieren, die insgesamt 40 GWh pro Jahr liefern sollen. Laut mec.ed.tum.de konzentrieren sich aktuelle Lösungen zur Nutzung von Gezeitenströmungen meist auf hohe Strömungsgeschwindigkeiten, während technologische Ansätze für langsame und mittelschnelle Strömungen rar sind. In Europa gibt es jedoch enormes Potenzial, das mit diesem innovativen Ansatz erschlossen werden könnte.
Der entwickelte Prototyp wird gerade auf die kommerzielle Nutzung hin getestet. Ziel ist es, sicherzustellen, dass alle Komponenten optimal auf die Herausforderungen der Meeresumwelt eingestellt sind. In der letzten Phase des Projekts wird der Prototyp von den Stadtwerken München im Werkkanal getestet, wobei sowohl technische als auch ökologische sowie ökonomische Kriterien berücksichtigt werden sollen.
Die Zukunft im Blick
Das Projekt, dessen Forschungszeitraum vom 1. Juni 2023 bis 30. September 2025 reicht und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wird, vereint verschiedene Ingenieursdisziplinen, um eine effiziente und wartungsarme Anlage zu entwickeln. Hierbei wird nicht nur die Auslegung und Berechnung der Seile berücksichtigt, sondern auch die Sicherheit der Seilbahnkomponenten spielt eine wichtige Rolle.
Die Basis für zukünftige Entwicklungen wird mit diesem Testwagen gelegt, und die ersten Ergebnisse zeigen vielversprechende Ansätze für nachhaltige Energiegewinnung in Europa.