Die Newcastle-Krankheit, auch bekannt als atypische Geflügelpest, hat nun Bayern erreicht und sorgt für große Besorgnis unter Geflügelhaltern. Über 100.000 Hühner wurden in Deutschland bereits vorsorglich getötet, um einer weiteren Ausbreitung entgegenzuwirken. Veterinärbehörden befinden sich in Alarmbereitschaft, nachdem in Brandenburg und Bayern insgesamt acht Ausbrüche bestätigt wurden. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) warnt vor einer erheblichen Bedrohung für Geflügelbetriebe und Vogelhaltungen. Insbesondere die Entdeckung von 43 toten Schwänen im Kreis Lichtenfels Mitte Februar hat die Situation zusätzlich verschärft.
Das Landratsamt Forchheim hat die Bevölkerung informiert und betont die Notwendigkeit einer hohen Aufmerksamkeit sowie eines kontrollierten Personen- und Warenverkehrs. Die Experten empfehlen verpflichtende Impfungen sowie Maßnahmen zur Früherkennung, wie das sofortige Testen kranker oder verendeter Tiere. Der erste Ausbruch der Newcastle-Krankheit in Deutschland seit 30 Jahren wurde Ende Februar in Brandenburg gemeldet, gefolgt von einem weiteren Fall in Brandenburg und sechs weiteren im Landkreis Erding bei München. Besonders besorgniserregend ist der Verdacht auf einen Ausbruch in einem Masthähnchenbetrieb im Landkreis Mühldorf am Inn, wo etwa 30.000 Tiere betroffen sind.
Impfpflicht und Risikofaktoren
In Deutschland gilt eine Impfpflicht für Geflügel gegen Newcastle Disease (ND). Trotz dieser Vorgabe sind in den letzten Tagen zwei Fälle in kommerziellen Geflügelhaltungen aufgetreten. Dr. Thorsten Arnold, Geflügelfachtierarzt, betont, dass die Rückkehr von ND nur eine Frage der Zeit war. In Polen, wo in den letzten zwei Jahren viele ND-Fälle aufgetreten sind, galt bis April 2025 keine Impfpflicht. Es wird vermutet, dass die Krankheit über private Haltungen und den Personenverkehr nach Deutschland gelangte.
Die Impfungen sind jedoch nicht ohne Herausforderungen. Laut Hersteller hält die Impfung von Legehennen nur ein Jahr, was zu einer sogenannten Impflücke führen kann. Besonders Hobby-Geflügelhalter sind oft weniger informiert über die Impfpflicht, was ein zusätzliches Risiko darstellt. Auch Putenküken sind während der Booster-Impfung anfälliger für Infektionen. Die Übertragung von ND erfolgt hauptsächlich über Personen- und Fahrzeugverkehr, nicht primär durch Wildvögel. Geflügelhalter sollten sich daher intensiv mit ihrem Tierarzt über die Auswahl des passenden ND-Impfstoffes beraten.
Die Bedeutung der Herdenimmunität
Die Herdenimmunität spielt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Newcastle-Krankheit. Dr. Franca Möller vom Geflügelgesundheitsdienst Hessen stellte im Rahmen eines Online-Seminars die Frage nach der Stabilität des Impfschutzes gegen die Newcastle-Krankheit im Hobby- und Rassegeflügel. In Deutschland ist die Impfung gegen die Newcastle-Krankheit verpflichtend, doch viele Halter impfen ihre Tiere alle 90 Tage, während die Packungsbeilagen ein Intervall von 42 Tagen empfehlen.
Eine Untersuchung ergab, dass etwa 88 Prozent der regelmäßig geimpften Tiere schützende Antikörpertiter aufwiesen. Der Antikörperspiegel sank innerhalb von zwei bis dreieinhalb Monaten nach der Impfung nicht signifikant ab, was auf eine stabile Immunantwort hinweist. Dennoch bleibt die flächendeckende Immunisierung eine Herausforderung, da etwa zwei Drittel der untersuchten Herden diesen Zielwert von mindestens 85 Prozent geschützten Tieren nicht erreichten. Insbesondere Bestände mit geringerer Impfintensität bleiben oft unter diesem Wert.
Die verfügbaren Impfstoffe wirken zuverlässig, jedoch hängt der flächendeckende Schutz von der konsequenten Umsetzung ab. Um die Geflügelbestände zu schützen, ist ein gutes Biosicherheitskonzept entscheidend. Dr. Möller weist darauf hin, dass es einen Zielkonflikt zwischen der rechtskonformen Umsetzung der Impfpflicht und den informellen Strukturen bei der Impfstoffabgabe geben könnte. Das Fehlen engagierter Tierärzte könnte die flächendeckende Immunisierung im Rasse- und Hobbygeflügelbereich gefährden.
Für weitere Informationen zur Newcastle-Krankheit und deren Bekämpfung können Sie die Artikel auf InFranken, Agrarheute und Geflügelnews lesen.




