Die Metropolregion München hat in einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nicht nur einen unerwarteten Tiefpunkt erreicht, sondern wurde auch als unattraktivste Metropolregion Deutschlands eingestuft. Diese Analyse, die auf 23 Kriterien aus verschiedenen Lebensbereichen wie Familie, Wohnraum, Kultur und Verkehr basiert, zeigt gravierende Defizite auf, insbesondere für Familien und Berufstätige. Überraschenderweise schnitt das Ruhrgebiet, das auf den ersten Platz kam, deutlich besser ab und übertraf München, Hamburg und Berlin in den meisten Kategorien. Während die Bewohner des Ruhrgebiets täglich rund 26 Minuten bei alltäglichen Wegen sparen, leidet München unter längeren Wegen und einem geringeren Angebot vor Ort. Eine detaillierte Betrachtung der Untersuchung zeigt, dass München besonders bei der Erreichbarkeit von Schulen und Freizeitangeboten hinterherhinkt.
Die Studie belegt, dass im Ruhrgebiet die durchschnittliche Distanz zur nächsten Grundschule nur knapp fünf Autominuten beträgt, während es in der Metropolregion Nürnberg über sieben Minuten sind. Diese Polyzentralität im Ruhrgebiet sorgt für kurze Wege und ein breites Angebot, während Münchens monozentrale Struktur genau das Gegenteil bewirkt. Zudem sind die Mietpreise in der Metropolregion München exorbitant hoch, während das Ruhrgebiet mit 8,3 Euro pro Quadratmeter im Vergleich dazu günstigeren Wohnraum bietet. Auch bei der Verfügbarkeit von Sport- und Freizeitflächen schneidet München schlecht ab: Nur 0,9 % der Bodenfläche sind dafür reserviert, während es im Ruhrgebiet 5,2 % sind.
Einblicke in die Lebensqualität
Die IW-Studie zeigt, dass München im Kulturbereich den vorletzten Platz belegt, insbesondere aufgrund der geringen Zahl an LGBTQI+-Communities und einer unzureichenden kulturellen Vielfalt. In der Gesundheitsversorgung hat München mit nur 53,4 Krankenhausbetten pro 10.000 Einwohner ebenfalls Nachholbedarf, im Vergleich zu 72,8 im Ruhrgebiet. Die durchschnittliche Distanz zur nächsten Haltestelle des öffentlichen Verkehrs beträgt in München 611 Meter, während sie im Ruhrgebiet nur 212 Meter beträgt. Diese Faktoren tragen zur wachsenden Unzufriedenheit in der Metropolregion bei, insbesondere in den peripheren Gebieten, die weniger vom Wirtschaftsboom profitieren.
Der Verein „Europäische Metropolregion München (EMM)” fordert eine differenzierte Betrachtung der Studienergebnisse und Strategien zur Verbesserung der Attraktivität Münchens. Vorschläge umfassen den Ausbau des Wohnungsbaus, die Verbesserung des Verkehrsnetzes, die Entbürokratisierung der Bauvorgänge und die Erhöhung der Fördermittel für bezahlbaren Wohnraum. Trotz der Herausforderungen gibt es jedoch bedeutende wirtschaftliche Akteure und Bildungsinstitutionen in der Region, wie die Technische Hochschule Ingolstadt und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., die zur Gesamtentwicklung beitragen.
Stadtleben und Zufriedenheit
Interessanterweise fühlen sich laut einer Befragung von PwC neun von zehn Stadtbewohner:innen an ihrem Wohnort wohl, und 93% der Befragten in München, Nürnberg und Leipzig äußern sich zufrieden über ihre Lebensqualität. Dennoch gibt es Kritik an der hohen Verkehrsbelastung und der angespannten Wohnungsmarktsituation. Die Studie „So attraktiv sind Deutschlands Großstädte für Arbeitnehmer“ zeigt, dass Stadtbewohner:innen Kultur- und Freizeitmöglichkeiten sowie Job- und Bildungschancen schätzen. Trotz der Herausforderungen bietet München nach wie vor bedeutende Vorteile, die es zu erhalten gilt.
Die Metropolregion München steht also vor großen Herausforderungen, hat jedoch erhebliche Ressourcen zur Bewältigung. Es bleibt abzuwarten, welche Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität in der Region ergriffen werden und ob die Stadt ihren Status als Lebensraum für Familien und Berufstätige nachhaltig verbessern kann. Die vollständigen Ergebnisse der Studie sind in der Analyse des IW nachzulesen, die auch vom Regionalverband Ruhr (RVR) in Auftrag gegeben wurde, und wurden in einem umfassenden Bericht veröffentlicht (Quelle) sowie auf weiteren Plattformen diskutiert (Quelle).