Die Metropolregion München wird in einer aktuellen Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) als die unattraktivste Region Deutschlands eingestuft. Diese überraschende Bewertung bezieht sich auf eine große geografische Fläche, die von Eichstätt bis zur Zugspitze und von Kaufbeuren bis Altötting reicht, und umfasst über sechs Millionen Einwohner. Zu dieser Region zählen auch ländliche Gebiete wie Donau-Ries und Traunstein, die im Vergleich zur Stadt München weniger von den kulturellen Angeboten profitieren. Die Analyse zeigt, dass Fachkräfte hohe Immobilienpreise und lange Wege zu wichtigen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Schulen und Kitas als besonders problematisch empfinden. Dies führt dazu, dass München die höchste relative Abwanderung unter den 30- bis unter 50-Jährigen in Deutschland verzeichnet. Trotz dieser negativen Bewertung hat die Stadt eine hohe Dichte an Museen, Theatern, Opern und Kinos [Augsburger Allgemeine].
Die IW-Studie bewertet die Lebensqualität in Metropolregionen anhand von 23 Indikatoren in sechs Lebensbereichen: Familie, Wohnraum, Ausgehen, Kultur und Gesellschaft, Sport und Freizeit sowie Verkehr und Versorgung. München hat in vielen dieser Kategorien, insbesondere bei den Immobilien- und Mietpreisen, die höchsten Werte unter den Metropolregionen. In den Bereichen Sport und Freizeit zeigt sich jedoch ein Defizit: Lediglich 0,9% der Bodenfläche sind für diese Zwecke reserviert, während das Ruhrgebiet hier mit 5,2% deutlich besser abschneidet. Auch die Gesundheitsversorgung wird kritisiert, da in München nur 53,4 Krankenhausbetten pro 10.000 Einwohner zur Verfügung stehen – im Ruhrgebiet sind es 72,8 [BR].
Die Herausforderungen der Metropolregion
Ein weiteres Problem stellt die Erreichbarkeit des öffentlichen Verkehrs dar: Die durchschnittliche Distanz zur nächsten Haltestelle beträgt in München 611 Meter, was im Vergleich zu anderen Regionen wie dem Ruhrgebiet (212 Meter) und Rheinland (252 Meter) eher ungünstig ist. Auch die kulturelle Vielfalt der Metropolregion wird kritisiert, da München hier den vorletzten Platz belegt, insbesondere aufgrund einer geringeren Präsenz von LGBTQI+-Communities. Interessanterweise wächst die Unzufriedenheit in der Metropolregion mit zunehmender Entfernung von München [BR].
Der Verein „Europäische Metropolregion München (EMM)“ fordert eine differenzierte Betrachtung der Studienergebnisse und schlägt mehrere Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität der Region vor. Dazu gehören die Verbesserung des Verkehrsnetzes, mehr Wohnungsbau und Entbürokratisierung, sowie eine Erhöhung der Fördermittel für bezahlbaren Wohnraum und die Senkung der Baukosten durch vereinfachte Vorgaben. Trotz dieser Herausforderungen hat München die höchste Geburtenrate in Deutschland, und Schwimmbäder sind im Schnitt in neuneinhalb Minuten mit dem Auto erreichbar [BR].
Ein Blick auf die Metropolregionen Deutschlands
Die IW-Studie verdeutlicht, dass die Wahrung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Grundgesetz (Art. 72 GG) verankert ist und Deutschland mit vielfältigen Disparitäten kämpft. Die Definition eines „guten Lebens“ verschiebt sich zunehmend von reinen ökonomischen Kennzahlen hin zu breiteren Diskussionen über lebenswerte Regionen. Insgesamt belegt das Ruhrgebiet im Gesamtindex den ersten Platz, gefolgt von Rheinland und der Metropolregion Rhein-Neckar. München landet auf dem zwölften Platz, was die Herausforderungen und die Notwendigkeit von Verbesserungen in der Metropolregion unterstreicht [IW Consult].