In der kommenden Woche öffnet im Münchner Kunstpavillon die mit Spannung erwartete Ausstellung „Tendenz Verzerrung“. Diese zeigt nicht nur eindringliche Werke, sondern wirft auch einen besonders persönlichen Blick auf die dunkle Geschichte der NS-Euthanasie. Künstlerin Lena Ditte Nissen, die eng mit dem Thema verbunden ist, eröffnet am 14. November 2025 ihre Ausstellung, die an die Gräueltaten in Grafeneck erinnert, wo in den 1940er Jahren über zehntausend Menschen ermordet wurden.
Nissen, geboren 1987, ist keine Unbekannte in der Kunstszene. Sie arbeitet an der Schnittstelle von dokumentarischer und performativer Praxis und hat bereits international ausgestellt. In dieser besonderen Schau kombiniert sie dokumentarische Bilder von den Überresten der NS-Verbrechen mit historischen Darstellungen aus einer propagandistischen Hebammenzeitschrift ihrer Vorfahren. Ihre Urgroßmutter, Nanna Conti, war „Reichshebammenführerin“, und ihr Großonkel, Leonardo Conti, der „Reichsgesundheitsführer“, war aktiv in die beispiellosen „Krankenmorde“ verwickelt.
Ausstellung als Mahnmal
Anlass dieser eindringlichen Präsentation ist der 80. Jahrestag des Kriegsendes, und Nissen möchte mit ihrer Arbeit ein starkes Zeichen gegen das Vergessen setzen. Ein zentrales Element der Ausstellung ist die 42-minütige Videoarbeit, die dokumentarische Aufnahmen vom Samariterstift Grafeneck zeigt. In ihrem Film führt eine inklusive Gruppe namens Grafenschreck performativ über das Gelände und schafft somit einen Bezug zur Gegenwart.
Die Ausstellung wird von ver.di Bayern unterstützt und feiert ihre Eröffnung am 13. November um 19 Uhr mit Rednern, die sowohl gewerkschaftliche als auch historische Perspektiven einbringen. Besucher können die Schau bis zum 30. November 2025 besichtigen, und der Eintritt ist frei. Geöffnet ist der Kunstpavillon von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 11 bis 17 Uhr.
Besondere filmische Einblicke
Der Filminhalt, eine Kombination aus Nissens eigenen Aufnahmen und Materialien der Gedenkstätte Grafeneck, zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, diese Schrecken lebendig zu halten. Die Künstlerin hat sich dazu hingesetzt, um auf die Geschehnisse von damals aufmerksam zu machen und den Opfern ein Gesicht zu geben.
Diese gewagte Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte lässt uns nicht nur über die Vergangenheit nachdenken, sondern auch über die Konsequenzen, die unsere Geschichte noch heute hat. „Tendenz Verzerrung“ ist mehr als nur eine Kunstschau – es ist ein eindringlicher Aufruf, die Augen für die dunkelsten Kapitel unserer Vergangenheit zu öffnen.
Für alle Kunstinteressierten, Geschichtsfreunde und jene, die sich für die persönliche Auseinandersetzung mit historischen Themen interessieren, dürfte diese Ausstellung ein absolutes Must-See sein.
Wer die Ausstellung nicht verpassen möchte, sollte sich den Termin im Kalender rot anstreichen und einen Blick auf die Werke von Lena Ditte Nissen werfen. Es besteht die Möglichkeit, sowohl die historische Perspektive nachzuvollziehen als auch in die emotionale Tiefe der künstlerischen Auseinandersetzung einzutauchen.
Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf T-Online.