Im deutschen Nahverkehr brodelt es: Die Gewerkschaft Verdi hat für Mittwoch zu einem ganztägigen Warnstreik in München und Nürnberg aufgerufen. Betroffen sind nicht nur die U- und Straßenbahnen, sondern auch die Buslinien, die nicht von privaten Dienstleistern bedient werden. Während die S-Bahn und Regionalbahnen, die von der Deutschen Bahn betrieben werden, von den Streiks nicht betroffen sind, stehen in Nürnberg am Mittwoch alle drei U-Bahnlinien und alle Straßenbahnen still. Auch das übliche Busangebot entfällt, jedoch sind private Anbieter auf 16 Buslinien unterwegs, mit Abfahrten am Hauptbahnhof zur vollen Stunde. In München müssen die Fahrgäste ebenfalls mit stark eingeschränktem Betrieb und unregelmäßigen Abfahrten rechnen, da die Münchner Verkehrsgesellschaft auf private Busunternehmen setzt. Aus Sicherheitsgründen fahren die U-Bahnen in München nicht.
Dieser Warnstreik ist bereits der zweite in der aktuellen Tarifrunde in Bayern. Der erste fand am vergangenen Montag statt und hatte ebenfalls mehrere größere bayerische Städte im Visier. Die Gewerkschaft Verdi möchte mit diesen Streiks Bewegung in die Tarifverhandlungen bringen, sieht jedoch keine positive Reaktion von den Arbeitgebern. Die Forderungen umfassen eine Entgeltsteigerung von 668,75 Euro für alle Tarifgruppen im Nahverkehr sowie eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden und längere Ruhezeiten. Die bayerischen Städte hingegen weisen diese Forderungen als zu teuer zurück, da die Finanzlage vieler Kommunen angespannt ist. Der Tarifvertrag Nahverkehr gilt in Bayern für etwa 20 Unternehmen mit insgesamt 9.000 Beschäftigten und wurde zuletzt 2023 abgeschlossen, während der aktuelle Vertrag 2024 ausläuft.
Hintergrund der Streiks
Die Situation im bayerischen Nahverkehr ist jedoch nicht isoliert. Am 02. Februar 2026 plant Verdi erneut ganztägige Warnstreiks im kommunalen Nahverkehr in Bayern, betroffen sind alle Verkehrsunternehmen, die den Tarifvertrag Nahverkehr (TV-N) anwenden. Besonders große Städte wie München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Bamberg, Passau, Landshut und Schweinfurt werden voraussichtlich stark betroffen sein. Auch hier sind S-Bahnen nicht betroffen, da sie von der Deutschen Bahn betrieben werden. Die Gewerkschaft hat klare Forderungen: eine Entgeltsteigerung von 668,75 Euro, eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit sowie eine Verlängerung der Mindestruhezeit auf elf Stunden. Ziel dieser Forderungen ist es, die Löhne innerhalb des Personals in Werkstätten anzugleichen und die Arbeitsbedingungen im Schichtbetrieb zu verbessern.
Verdi hat in der Vergangenheit bereits Gespräche mit dem kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) geführt, doch viele Kompromissvorschläge wurden abgelehnt. Katharina Wagner von Verdi macht die Arbeitgeber für die Eskalation verantwortlich und fordert ein positives Signal vor der zweiten Verhandlungsrunde am 13. Februar 2026. In Bayern gibt es nur einen Tarifvertrag Nahverkehr, der die Entgelte und Arbeitsbedingungen regelt. Verdi strebt eine Trennung der Tarifverträge an, um Verbesserungen der Arbeitsbedingungen unabhängig von Lohnanhebungen zu erreichen.
Auswirkungen auf den Verkehr
Die Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr sind nicht nur auf Bayern beschränkt, am 02. Februar 2026 sind bundesweit Warnstreiks in 15 Bundesländern angekündigt worden. Die Gewerkschaft Verdi ruft zu Einschränkungen bei Bussen und Straßenbahnen in fast allen Bundesländern auf. Besonders betroffen wird der Berufs- und Schülerverkehr am Montagmorgen sein. In einigen Regionen, wie Niedersachsen, gilt jedoch die Friedenspflicht für etwa 5.000 Beschäftigte, weshalb dort keine Streiks stattfinden werden. Leerfahrten ohne Passagiere zur Eisfreihaltung der Oberleitungen sind ebenfalls geplant.
Die letzten Warnstreiks im bayerischen Nahverkehr führten bereits zu starken Beeinträchtigungen und erhöhten Staulevels, insbesondere rund um die Allianz-Arena in München, wo ein DFB-Pokalspiel zwischen FC Bayern und RB Leipzig ansteht. Die Verkehrslage wird angespannt sein, und der ADAC rechnet mit erhöhtem Verkehr und Verzögerungen. Die Verantwortung für pünktliches Erscheinen zur Arbeit liegt letztendlich bei den Arbeitnehmern, die das „Wegerisiko“ tragen müssen, selbst wenn Streiks stattfinden.
Die Notwendigkeit einer soliden Finanzierung des ÖPNV durch Länder und Bund wird zunehmend offensichtlich, insbesondere angesichts der Kritik an der Praxis, bei finanziellen Engpässen an den Beschäftigten zu sparen. Die kommenden Tage dürften also für alle Beteiligten spannend und herausfordernd werden.