In den letzten Jahren hat sich das Bild der Sagrada Família in Barcelona stark verändert. Nach zahlreichen Jahren harter Arbeit und komplizierter Planungen wurde die faszinierende Basilika am 31. Oktober 2025 offiziell zur höchsten Kirche der Welt erklärt. Mit einer beeindruckenden Höhe von 162,91 Metern überragt sie den bisher geltenden Rekordhalter, das Ulmer Münster, das mit 161,53 Metern aufwartet. Die Konstruktion von Antoni Gaudí hat somit einen weiteren Meilenstein erreicht, der sowohl Architekturliebhaber als auch Touristen in Scharen anlockt. Laut br.de wird die Sagrada Família in der Folge als „höchster Kirchturm der Welt“ beworben, was sicherlich auch für den Tourismus von Vorteil ist.
Seit 2018 laufen bereits die Vorbereitungen für das spektakuläre Kreuz der Sagrada Família, das sich eng an die ursprünglichen Entwürfe von Gaudí hält. In Gundelfingen werden in Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen insgesamt sieben Teile des Kreuzes hergestellt, die in Barcelona zusammengefügt werden. Vier dieser Teile sind bereits nach Spanien transportiert worden, während die restlichen drei aktuell in Produktion sind. André Willer, der Leiter der Stahl-Montage, äußert sich optimistisch über den Fortschritt des Projekts und hebt hervor, dass das Kreuz innen begehbar sein wird, mit großen Fenstern, die einen atemberaubenden Blick auf die Stadt bieten.
Ein Jahrhundert der Baukunst
Die Geschichte der Sagrada Família reicht bis ins Jahr 1882 zurück, als der Bau ursprünglich unter Francisco de Paula del Villar begann, bevor Gaudí 1883 das Ruder übernahm. Bei seinem Tod im Jahr 1926 war allerdings weniger als ein Viertel des Projekts vollendet. Die Arbeiten wurden seither von verschiedenen Architekten weitergeführt, auch nach schweren Unterbrechungen durch den Spanischen Bürgerkrieg und die damit verbundenen Zerstörungen von Gaudís Originalplänen. Trotz aller Widrigkeiten hat sich der Bau in den letzten Jahrzehnten dank modernster Technologien beschleunigt, so dass mittlerweile Fortschritte sichtbar sind.
Im Gegensatz dazu ist das Ulmer Münster mit einem Baubeginn im Jahr 1377 eine wahre historische Ikone der Gotik. Der ursprüngliche Plan sah einen sogar noch höheren Turm vor, der die heutige Höhe von 161,5 Metern übertreffen sollte. Doch die Bauarbeiten kamen aufgrund von finanziellen Engpässen zum Stillstand und zogen sich über mehr als 300 Jahre. Lustigerweise hat eine „Münsterbaulotterie“ Ende des 19. Jahrhunderts den vollständigen Turmbau im Jahr 1890 ermöglicht. Diese Lotterie hat heute einen inflationär bereinigten Wert von etwa 600.000 Euro.
Tourismus und zukünftige Veranstaltungen
Die Sagrada Família ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sondern auch eine bedeutende Touristenattraktion. Im vergangenen Jahr besuchten 4,9 Millionen Menschen die Basilika, darunter etwa 15 % aus den USA. Die vollständige Fertigstellung wird in etwa einem Jahrzehnt erwartet, während immer noch Arbeiten an den Fassaden und der Innengestaltung laufen. Gar nicht weit entfernt steht der 100. Todestag von Gaudí im Jahr 2026 an, für den geplante Feierlichkeiten viele Besucher anziehen dürften.
Die Basilika, die seit 2005 als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt ist, zeigt eine faszinierende Kombination aus Stilen der Spätgotik, des katalanischen Modernismus und des Jugendstils. Mit den Arbeiten, die nun in vollem Gange sind, bleibt die Sagrada Família ein Ort der Inspiration und der kulturellen Vielfalt. Und wie wird das Ulmer Münster auf diesen neuen Status reagieren? Man plant bereits, entsprechende Hefte neu zu drucken, um die Veränderungen auf dem internationalen Kirchenturm-Markt zu reflektieren.