In einem tragischen Fall aus Neu-Ulm steht eine Mutter und ihre eigene Mutter wegen fahrlässiger Kindstötung vor Gericht. Der Prozess ist für Dienstag, den 3. März, am Amtsgericht Neu-Ulm angesetzt. Der Vorfall ereignete sich am 20. September 2023, als das Neugeborene nach einer Hausgeburt etwa elf Stunden später im Krankenhaus verstarb. Laut einem Gerichtssprecher hätte das Kind möglicherweise gerettet werden können, was die Tragik des Falls noch verstärkt (Augsburger Allgemeine).
Die 30-jährige Mutter und die 58-jährige Großmutter waren sich der Beckenlage des Kindes sowie der damit verbundenen Risiken einer Hausgeburt ohne ärztliche Unterstützung bewusst. Erst rund 30 Minuten nach der Geburt wurde der Notarzt alarmiert, was zu einem verzögerten Transport des Babys in die Uniklinik führte. Trotz aller Bemühungen konnte das Neugeborene nicht gerettet werden und verstarb am späten Vormittag des Folgetages (SWP).
Rechtliche Konsequenzen und öffentliche Wahrnehmung
Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben, was zu einem öffentlichen Prozess führen wird. Vor Gericht könnte es auch zu Aussagen von möglichen Zeugen kommen, darunter Polizeibeamte, Notärzte und Gutachter. Der Fall hat in der Öffentlichkeit für Aufsehen gesorgt, und der Gerichtssprecher bezeichnete ihn als „höchst tragisch“. Bisher wurde kein Fortsetzungstermin für die Hauptverhandlung anberaumt, was die Spekulationen über den Ablauf des Verfahrens anheizt.
Ähnliche Fälle haben in der Vergangenheit rechtliche Fragen zur Verantwortung bei Hausgeburten aufgeworfen. Ein Beispiel ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH), das eine Hebamme wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilte, nachdem ein Kind nach einer Hausgeburt verstarb. In diesem Fall wurde festgestellt, dass die Hebamme ihre Patientin nicht ausreichend über die Risiken informierte und keine ärztliche Hilfe in Anspruch nahm, als Anzeichen auftraten, die eine Entbindung im Krankenhaus erforderlich gemacht hätten (Beck).
Die aktuelle Situation in Neu-Ulm wirft nicht nur juristische, sondern auch ethische Fragen auf. Wie viel Verantwortung tragen Angehörige in solchen Situationen, und wie kann eine sichere Geburt gewährleistet werden? Die kommenden Verhandlungstage könnten entscheidende Antworten auf diese Fragen liefern und wichtige Diskussionen über die Praxis von Hausgeburten in Deutschland anstoßen.