Die Stadtwerke Aalen stehen vor einer ernsthaften finanziellen Herausforderung, die als „schwerer Schlag“ für die Stadt Aalen bezeichnet wird. Im ersten Halbjahr 2025 verzeichneten die Stadtwerke einen dramatischen Anstieg der Beraterkosten um 133 % im Vergleich zu den Vorjahren, was die bereits angespannte Situation weiter verschärft. Die Kosten für Beratungsunternehmen, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte summierten sich bis Ende des dritten Quartals 2025 auf insgesamt 2.114.000 Euro, wobei allein im ersten Halbjahr 2025 1.749.000 Euro anfielen. Besonders auffällig waren die Steuer- und Wirtschaftsprüfer, die mit 1.132.000 Euro die Haupttreiber dieser Kosten darstellten.

Die hohen Ausgaben für Berater sind laut Geschäftsführer Michael Schäfer eine direkte Folge der chaotischen Zustände und der Sanierung der Stadtwerke. Er betont, dass man noch nicht über den Berg sei und eine lange Liste an Aufgaben vor sich habe. Trotz der Schwierigkeiten erfreuen sich Einrichtungen wie das Hirschbachbad und der Eispark großer Beliebtheit. Die Eröffnung des Hirschbachbads kostete insgesamt 67,5 Millionen Euro und verlief reibungslos. Allerdings gab es bereits eine Prognose, dass die Baukosten für das Bad auf 65,7 Millionen Euro steigen könnten, was 20 Millionen Euro mehr ist als ursprünglich geplant.

Finanzielle Lage und Managementfehler

Die Stadtwerke Aalen haben mit erheblichen finanziellen Defiziten zu kämpfen. Ein operativer Gewinn wird erst für 2028 erwartet, während das Jahresergebnis für 2023 ein Minus von 1,474 Millionen Euro aufweist. Für 2024 wird ein Defizit von 25 Millionen Euro prognostiziert. Diese gravierenden Fehler im Management und fehlerhafte Beschaffungsentscheidungen wurden von den Fraktionen im Gemeinderat als „schockierend“ eingestuft. Gemeinderatsmitglieder äußerten sich besorgt über die Informationen, die sie von der früheren Geschäftsführung erhielten, und sehen personelle Konsequenzen als notwendig an.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf den städtischen Haushalt wurden als außerordentliche Belastung beschrieben. Das Vertrauen in die Stadtwerke ist sowohl bei der Bürgerschaft als auch bei der Belegschaft stark gesunken. Der Gemeinderat hat beschlossen, dem Tochterunternehmen finanziell zu unterstützen, um die Stadtwerke als kommunales Unternehmen zu erhalten. Ein neues Konzept für einen nachhaltigen und wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb wird entwickelt, wobei auch alle Unternehmensprozesse auf den Prüfstand gestellt werden sollen, um zukünftige Fehlentwicklungen zu vermeiden.

Ausblick und Maßnahmen

Die Stadt Aalen übernimmt die Defizite der Bäder, muss jedoch auch Bankdarlehen bedienen. Die Stadtwerke haben in den letzten Jahren mit verschiedenen Beratungsunternehmen zusammengearbeitet, darunter Deloitte, Baker Tilly und Pluta Rechtsanwälte. Aktuell sind nur noch drei Beraterfirmen aktiv: Ebner Stolz, BBH und BW-Partner. Michael Schäfer, der die Stadtwerke seit Ende 2023 leitet, drängt darauf, die hohen Beraterkosten als notwendig anzusehen, um die chaotischen Zustände zu bewältigen. Dennoch kann er keine Prognose über die Dauer dieser hohen Kosten abgeben.

Die Stadtwerke Aalen stehen also vor einer komplexen Herausforderung, die sowohl finanzielle als auch strukturelle Anpassungen erfordert. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um die Weichen für eine nachhaltige Zukunft zu stellen. Die Bürgerinnen und Bürger können nur hoffen, dass die neuen Maßnahmen und das frische Management unter Michael Schäfer die Stadtwerke wieder auf einen stabilen Kurs bringen können. Weitere Informationen zu den Entwicklungen finden Sie hier, hier und hier.