In Bayern rumort es im kommunalen Nahverkehr: Die Gewerkschaft Verdi hat zu ganztägigen Warnstreiks in mehreren Städten aufgerufen, darunter München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Fürth, Bayreuth, Dachau, Passau, Landshut, Schweinfurt und Aschaffenburg. Während der Streikphase wird der U-Bahn-, Bus- und Tramverkehr zum Stillstand kommen, wobei S-Bahnen und Regionalzüge planmäßig verkehren. Diese Maßnahmen sollen Druck vor der fünften Verhandlungsrunde im laufenden Tarifkonflikt erhöhen.

Verdi hat ihre ursprünglichen Forderungen leicht abgesenkt, während die Arbeitgeber ihr Angebot nachgebessert haben, jedoch als „realitätsfern“ zurückgewiesen. Die Diskussion um die Gehaltserhöhungen und Arbeitsbedingungen wird immer hitziger, und es gab bereits mehrere Warnstreiks während des Konflikts. Pendler, Auszubildende und Schüler müssen sich auf erhebliche Einschränkungen einstellen. Zudem warnen Stadtkämmerer aus verschiedenen Städten vor den finanziellen Belastungen, die durch steigende Betriebskosten im ÖPNV entstehen könnten. Der Appell an die Gewerkschaft lautet, eine Lösung zu finden, die sowohl den Beschäftigten als auch der Finanzierbarkeit des ÖPNV gerecht wird.

Der Tarifkonflikt und die Einigung

Nach langen Verhandlungen wurde eine Einigung zwischen Verdi und den kommunalen Nahverkehrsbetrieben in Bayern erzielt. Diese Einigung sieht eine Erhöhung der Einkommen von rund 9.000 Beschäftigten um insgesamt 7% vor, verteilt auf drei Schritte. Rückwirkend zum 1. Januar gibt es eine Erhöhung von 4,1%, gefolgt von weiteren 1% im September und 1,9% ab Januar 2027. Zusätzlich wird die Arbeitszeit ab Januar 2029 auf 37,5 Stunden pro Woche verkürzt, und es ist eine Mindestruhezeit von 10,5 Stunden zwischen den Schichten festgelegt.

Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von vier Jahren und beinhaltet ein Sonderkündigungsrecht für die Entgelttabelle zum 31. Dezember 2027. Diese Einigung wird nun in einer Mitgliederbefragung von Verdi eingebracht, und bis zum 15. Mai müssen sich beide Seiten erklären, während in dieser Zeit keine Warnstreiks stattfinden werden. Die letzte Streikwelle führte, wie bereits erwähnt, zu einem Stillstand des öffentlichen Nahverkehrs in mehreren Städten, was bei den Bürgern auf Frustration stieß, zumal die Alternative des Autos aufgrund hoher Benzinpreise ebenfalls teuer ist.

Ein Blick in die Zukunft

Die Einigung wird von Verdi-Gewerkschaftssekretärin Katharina Wagner als „mit Licht und Schatten“ beschrieben. Ursprünglich hatte Verdi höhere Forderungen, darunter eine größere Entgeltsteigerung und eine stärkere Reduzierung der Wochenarbeitszeit. Der Tarifkonflikt betraf laut Verdi etwa 9.000 und laut dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) rund 10.000 Beschäftigte in über 20 Betrieben. Der letzte Tarifabschluss im bayerischen ÖPNV fand im Jahr 2023 statt, der Tarifvertrag läuft 2024 aus.

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Die Kritik an den Streiks kommt vor allem von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw), die die hohen Forderungen als nicht erfüllbar ansieht, insbesondere aufgrund der finanziellen Lage vieler Kommunen. Verdi äußert zwar Mitgefühl für die zusätzliche Belastung der Pendler, betont jedoch die Notwendigkeit der Arbeitskämpfe, um bessere Löhne und Arbeitsbedingungen zu erreichen.