In einer erschreckenden Wendung von Ereignissen hat die Nürnberger Kriminalpolizei einen großangelegten Betrug bei Deutsch- und Einbürgerungstests aufgedeckt. Die Ermittlungen des Kommissariats 43 des Kriminalfachdezernats 4, die seit Oktober 2025 laufen, haben bisher mehrere Tatverdächtige ans Licht gebracht, die gegen Bezahlung Prüfungen für andere Personen abgelegt haben. Diese Menschen waren nicht in der Lage, die Tests selbst zu bestehen, und haben sich stattdessen auf einen 39-jährigen Vermittler verlassen, der Stellvertreter rekrutierte, um die Prüfungen durchzuführen. Interessanterweise rekrutierte dieser Vermittler vorwiegend in Nordrhein-Westfalen, während er selbst in Nürnberg ansässig war.

Die Tatverdächtigen, darunter ein 22-jähriger Deutscher, wurden in Prüfungsräumen festgenommen, wo sie mit gefälschten Dokumenten antraten. Diese Dokumente enthielten das Bild des Stellvertreters sowie die Personalien der zu prüfenden Person. Die Stellvertreter sprachen so gut Deutsch, dass sie die Prüfungen erfolgreich bestanden und echte Zertifikate erhielten. Diese Zertifikate wiederum wurden für die Ausstellung von Aufenthaltserlaubnissen oder für die Einbürgerung genutzt. Die Auftraggeber zahlten zwischen 2.500 und 6.000 Euro für die Organisation der Prüfungen.

Ermittlungen und Festnahmen

Die umfangreiche Ermittlungsarbeit in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat bereits zu mehreren Festnahmen geführt. Bei Durchsuchungen in Nürnberg und Hamm fanden die Beamten Datenträger, gefälschte Aufenthaltstitel, Sprachtests, Bargeld und sogar Betäubungsmittel. Die festgenommenen Personen, darunter der Vermittler und der 22-Jährige, wurden in Untersuchungshaft genommen. Zudem waren im Dezember 2025 etwa 20 Stellvertreter auf dem Weg zu einer Sprachschule, jedoch wurden nur zehn Personen mit falschen Personalien erfasst.

Die Polizei geht von einer hohen zweistelligen Anzahl weiterer Ermittlungsverfahren aus, die sich auf ganz Deutschland erstrecken. Die Ermittlungen zu weiteren Vermittlern, Stellvertretern und Kunden dauern an. Es ist kein Einzelfall, sondern ein Phänomen, das auch bei anderen Prüfungen wie Führerschein-Theorieprüfungen beobachtet wird, bekannt als „Stellvertreterbetrug“. Bereits in der Vergangenheit gab es Ermittlungsverfahren wegen gefälschter Sprachzertifikate.

Gesellschaftliche Auswirkungen und Kontext

Der Betrug bei Deutsch- und Einbürgerungstests wirft nicht nur rechtliche Fragen auf, sondern hat auch tiefere gesellschaftliche Implikationen. In einer Zeit, in der Integration und Sprachkenntnisse zentrale Themen in der deutschen Gesellschaft sind, stellt sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit solcher Tests. Die Tatsache, dass Prüfer den Betrug nicht erkennen konnten und echte Zertifikate ausstellten, lässt Zweifel an der Effizienz der Prüfungsverfahren aufkommen.

Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, und die Polizei arbeitet intensiv daran, das gesamte Ausmaß des Betrugs aufzudecken. Weitere Informationen zu diesem Thema sind in einem ausführlichen Artikel auf Spiegel Online verfügbar.

Weitere Details zu den laufenden Ermittlungen können auch in den Berichten auf Fränkischer.de und Nordbayern.de nachgelesen werden.