In Passau wird derzeit ein spannendes Kooperationsprojekt zwischen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und der Universität Passau durchgeführt, das sich mit den Chancen und Risiken von Large-Language-Modellen (LLMs) im Agrarbereich beschäftigt. Federführend bei der juristischen Bewertung ist Prof. Dr. Kai von Lewinski, der auch beim Auftaktworkshop Ende Januar 2026 in Passau referierte. Ziel dieses Projekts ist es, Forschungslücken zur Praxistauglichkeit und Akzeptanz von Agrar-Chatbots zu schließen, insbesondere hinsichtlich der rechtlichen Rahmenbedingungen und Haftungsfragen.
Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF) finanziert und nutzt einen KI-Agrar-Chatbot-Prototyp von IBM, der auf die Webseiten des StMELF und der LfL zugreift. Dieser Prototyp wird einem Praxistest unterzogen und anschließend technisch optimiert. Die rechtlichen Anforderungen an den Betrieb des Chatbots werden am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Medien- und Informationsrecht unter Prof. Dr. Kai von Lewinski aufgearbeitet.
Rechtliche Fragestellungen und Herausforderungen
Im Rahmen des Projekts werden zentrale rechtliche Fragestellungen untersucht, die sich auf Immaterialgüterrecht, Datenschutzrecht und Haftungsrisiken beziehen. Besonders relevant ist die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die für die Verarbeitung personenbezogener Daten entscheidend ist. Es ist notwendig, die Informationspflichten und vertraglichen Regelungen zur Auftragsverarbeitung einzuhalten. Zudem wird die kommende KI-Verordnung (AI Act), die ab dem 02.08.2026 Transparenzpflichten für Nutzer von KI-Systemen schafft, in die Betrachtungen einfließen.
Die Haftungsrisiken durch fehlerhafte Auskünfte können zu Schadensersatzansprüchen führen, was technische und rechtliche Schutzmaßnahmen erforderlich macht. Unternehmen müssen klare Vorgaben für den Umgang mit KI-Technologien festlegen und die Haftungsregelungen überprüfen. Eine kontinuierliche Überwachung der Chatbots ist ebenfalls notwendig, um den rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden. Die Ergebnisse der Forschung sollen praktische Handlungsempfehlungen für die Landwirtschaftsverwaltung formulieren und in die KI-Strategie des StMELF einfließen.
Der Nutzen von KI in der Landwirtschaft
Künstliche Intelligenz (KI) bietet enormes Potenzial für innovative Lösungen im Landwirtschaftssektor. Sie analysiert große Datenmengen, erkennt Muster und unterstützt Entscheidungen in Bereichen wie Ackerbau, Tierhaltung und Obstbau. Anwendungen reichen von präziser Düngung über Pflanzenschutz bis hin zur Fütterung von Nutztieren. KI-Systeme helfen Landwirten, Entscheidungen basierend auf Daten zu treffen, die Ertrag und Tiergesundheit beeinflussen.
Zu den Herausforderungen zählen jedoch technische Hürden wie mangelnde Internetabdeckung und unklare Datenschutzfragen. Zudem sind viele Systeme oft nicht miteinander kompatibel. Dennoch zeigen aktuelle Entwicklungen, dass KI-Anwendungen in der Landwirtschaft, wie Melkroboter oder autonome Reinigungsroboter, bereits Einzug gehalten haben und die Effizienz steigern können. Das Ziel ist es, die Ressourcennutzung zu verbessern und nachhaltige Praktiken zu fördern.
Insgesamt zeigt sich, dass die Forschung im Bereich KI in der Landwirtschaft nicht nur vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF) gefördert wird, sondern auch von der Bundesregierung, die den Standort Deutschland für Künstliche Intelligenz stärken möchte. Dies geschieht unter anderem durch die Verabschiedung eines Gesetzentwurfs zur Umsetzung der europäischen KI-Verordnung. Die Ergebnisse des Projekts in Passau werden somit nicht nur lokal, sondern auch auf nationaler Ebene von Bedeutung sein. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die PNP und die Universität Passau sowie die Landwirtschaft.de.