In der Secession in Passau wird derzeit die multimediale Ausstellung „Circus“ von Marianna Simnett gezeigt. Diese fesselnde Präsentation umfasst eine Vielzahl von Licht-, Klang- und skulpturalen Arbeiten, die tief in die kulturellen Wurzeln der Künstlerin eintauchen. Simnett, die jugoslawische Wurzeln hat, thematisiert in ihrer Arbeit die komplexen Erfahrungen ihrer Familie, insbesondere die ihres jüdisch-kroatischen Großvaters während des Holocausts. Diese persönlichen Geschichten und die damit verbundenen Emotionen ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Ausstellung.

Die Ausstellung spielt auch mit dem Konzept des „Circus“ auf verschiedene Weise. So wird beispielsweise ein Rock manisch unter einer Decke, die an ein Zirkuszelt erinnert, im Raum kreisen gelassen. Diese Inszenierung regt zum Nachdenken über die Dualität von Enthüllung und Verbergung an, was durch die Verwendung traditioneller Trachtenröcke vom Balkan verstärkt wird. Diese Röcke inszenieren nicht nur intime Körperteile, sondern bringen auch Anspielungen auf weibliche Figuren aus Volkssagen ins Spiel, die sowohl als Bedrohung als auch als Verbündete wahrgenommen werden können. Die Klanglandschaften der Ausstellung, die gequältes Gelächter und blendende Lichter beinhalten, schaffen eine Atmosphäre, die das Publikum in ihren Bann zieht und zum Nachdenken anregt.

Jugoslawische Wurzeln und kulturelle Komplexität

Die kulturellen Bezüge in Simnetts Werk sind nicht zufällig. Jugoslawien, ein Staat in Mittel- und Südosteuropa, existierte von 1918 bis 2003 und war bekannt für seine vielfältige ethnische und kulturelle Zusammensetzung. Das Land umfasste mehrere Nationalitäten, Sprachen und Religionen, was zu einer reichen, aber auch konfliktbeladenen Geschichte führte. Der Staat durchlief verschiedene politische Formen, von einem Königreich bis zu einer sozialistischen Föderation, und die politischen Spannungen innerhalb der Teilstaaten waren oft ein ständiger Begleiter der jugoslawischen Identität (Wikipedia).

Die Ausstellung „Circus“ reflektiert diese komplexe Geschichte, indem sie persönliche und kollektive Erfahrungen miteinander verwebt. Die ethnischen Konflikte, die bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts auftraten, und die anschließenden politischen Umwälzungen, die zum Zerfall Jugoslawiens ab 1991 führten, sind Teil des historischen Kontextes, den Simnett in ihrer Kunst anspricht. In der Doku-Reihe „Balkan in Flammen“ wird die Geschichte Jugoslawiens und die Ursachen seiner Konflikte ausführlich untersucht und zeigt, wie die Vision eines vereinten Jugoslawiens nach dem Tod von Josip Broz Tito nicht aufrechterhalten werden konnte (ZDF).

Ein eindringliches Erlebnis

Die Ausstellung in Passau bietet den Besuchern nicht nur einen Einblick in die künstlerische Auseinandersetzung mit Erinnerungen und Identität, sondern auch eine Möglichkeit, sich mit der bewegten Geschichte Jugoslawiens auseinanderzusetzen. Die Verbindung zwischen persönlichem Erleben und kollektiver Geschichte wird hier eindrucksvoll sichtbar und macht „Circus“ zu einem eindringlichen Erlebnis, das zum Nachdenken anregt.

In einer Zeit, in der die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und Identität wichtiger denn je ist, stellt Marianna Simnett mit ihrer Ausstellung ein bedeutendes Kunstwerk vor, das sowohl emotional als auch intellektuell herausfordert und bereichert. Ein Besuch in der Secession lohnt sich auf jeden Fall.