Am 2. November 2025 jährt sich der Gedenktag Allerheiligen, an dem die Christen in einer besonderen Zeremonie der Verstorbenen gedenken. An diesem Tag widmet sich Bischof Stefan Oster dem Evangelium von der Auferweckung des Lazarus und stellt es in einen größeren biblischen Zusammenhang. In seiner Ansprache hebt er hervor, dass Bethanien für Jesus ein Ort der persönlichen Freundschaft war, wo Martha, Maria und Lazarus lebten. Diese enge Beziehung kann die Menschen auf eine besondere Weise berühren.

Maria, die eine innige Verbindung zu Jesus hatte, tritt ihm entgegen und weint, was eindrucksvoll zeigt, wie sehr Gott sich von menschlicher Trauer bewegen lässt. Die Tränen und das Gebet der Menschen rühren Christus so sehr, dass er Lazarus ins Leben zurückruft. Diese Szene, die die Kraft der Liebe verdeutlicht, wird von Bischof Oster verwendet, um der Frage nach dem Wesen der Liebe im christlichen Verständnis nachzugehen.

Die tiefere Bedeutung von Liebe

„Jemanden lieben bedeutet, zu ihm zu sagen: Du wirst nicht sterben“, zitiert der Bischof den französischen Philosophen Gabriel Marcel und regt somit zum Nachdenken an. Die vielschichtige Natur des Begriffs Liebe wird beleuchtet, wobei oft nur flüchtige Bedeutungen betrachtet werden. Wahre Liebe geht viel tiefer, wie bereits der heilige Thomas von Aquin äußerte: „Liebe heißt, das Gut des anderen zu wollen.“ Für ihn umfasst wahre Liebe das äußere Wohl sowie die innere Wahrheit, Reifung und Heil.

So formuliert Thomas von Aquin, dass Liebe nicht nur das Wohl des anderen will, sondern auch, dass dieser Mensch in Gott beheimatet ist. Dies drückt er mit den Worten aus: „Ich will, dass du innerlich nach Hause kommen kannst, dass du beheimatet bist in dem, der dich geschaffen hat, der dein Schöpfer ist.“ Es wird deutlich, dass das Wahrnehmen des Lebens und des ewigen Lebens eines Menschen in der Liebe stark verankert ist.

Freundschaft als zentraler Bestandteil

Die Idee der Freundschaft spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Laut Herder ist Freundschaft das zentrale Element eines glücklichen menschlichen und christlichen Lebens. Der heilige Thomas von Aquin definiert Liebe als Freundschaft und sieht sie als Angelpunkt seines theologischen Werkes. In seinem Traktat über die Liebe in der „Summa theologiae“ beschäftigt er sich mit der Frage, ob Liebe Freundschaft sei, und stellt zahlreiche Einwände an, um sein Verständnis von Liebe und Freundschaft zu schärfen.

Diese Freundschaft mit Gott, die er beschreibt, basiert auf der Liebe, die Jesus seinen Jüngern entgegenbringt. Thomas argumentiert, dass eine wahre Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch existiert, auch wenn sie unvollkommen bleibt. Menschliche Freiheit und echtes Wohlwollen sind die Grundlagen dieser Freundschaft, die uns einlädt, eine tiefere Verbindung zu unserem Schöpfer aufzubauen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Gedenktag Allerheiligen nicht nur eine Stunde des Gedenkens ist, sondern auch einen Raum bietet, über Liebe und Freundschaft in der christlichen Tradition nachzudenken. Die Lehren des Bischofs und die Einsichten von Thomas von Aquin liefern wertvolle Impulse, wie wir in Beziehungen, zu anderen Menschen und zu Gott stehen können.