Die Jahreshauptversammlung des Forum Passau fand kürzlich im „Waldschloss“ statt, und die Themen, die dort angesprochen wurden, sind ein Spiegelbild der Herausforderungen, vor denen die Stadt steht. Vorsitzender Friedrich Brunner präsentierte einen lebendigen Stadt-Spaziergang und darauf folgten einige wichtige Punkte, die der Verein als verbesserungswürdig ansieht. Dazu zählen vor allem die Graffiti-Problematik, die überquellenden Mülltonnen sowie die Verschmutzungen durch Taubenkot. Brunner war aufgerufen, mehr Gespür für die Stadtgestaltung zu entwickeln, denn der Zustand der Messergasse, wo schwarzer Asphalt zwischen historischem Kopfsteinpflaster liegt, sorgt für gemischte Gefühle unter den Anwohnern.
Das Forum hat regen Kontakt zur Verwaltung und den Behörden aufgenommen, was teils auch Erfolge brachte. So konnten ökologische Ausgleichsflächen besser überwacht und die Mauer am Innkai verbessert werden. Bei der alten Tabakfabrik hingegen blieb der Kontakt zum Landesamt für Denkmalpflege leider erfolglos. Positiv erwähnt wurde zudem die Entwicklung am Fünferlsteg: Hier wurde ein Sanierungskonzept beschlossen, anstatt einen Ersatzneubau zu errichten. Auch die Felsenfreunde leisten wertvolle Arbeit bei der Sanierung des Salettls, unterstützt vom Forum.
Fokus auf Urban Art
Ein schillerndes Thema der Versammlung war auch die Graffiti-Kultur. Diese Form der Kunst hat sich als ein jahrtausendealtes Phänomen etabliert, das immer wieder zwischen Kriminalisierung und Duldung schwankt. Laut der Graffiti-Forschung wird Graffiti als anarchische, individuell geprägte Ausdrucksform verstanden. Sie positioniert sich manchmal gegen gesellschaftliche Normen und polarisiert die Menschen. Dabei ist der Dialog über Graffiti ein wichtiger Punkt: Manche Stadtverwaltungen haben erkannt, dass ein Umdenken nötig ist und setzen auf Förderung statt Unterdrückung.
In diesem Licht wird Urban Art, die oft großflächige Graffitis und detailverliebte Murals umfasst, als ein Instrument zur Identität, Kreativität und zur Schaffung eines Dialogs zwischen Kunst und Alltag gesehen. Laut die Stadtzeitung prägt Urban Art das Stadtbild und kann eine positive Rolle bei der Stadterneuerung spielen. Oft verwandeln sie unbeachtete Flächen in kulturelle Treffpunkte und machen daraus lebendige soziale Brennpunkte. In Passau könnte diese Form der Kunst ein Weg sein, um Leerstände zu beleben und das Stadtbild nachhaltig zu verbessern.
Kritik an der Untätigkeit
Während das Forum Passau erfreulich Fortschritte bei der Stadtgestaltung vermeldet, gibt es dennoch kritische Hinweise auf die Untätigkeit bei bestimmten Umwelt- und Kirchenanliegen. So blieben Anfragen zur Salvatorkirche und der Taubenproblematik völlig unbeantwortet, was nicht nur die Mitglieder des Forums, sondern auch die anwesenden Stadträte besorgte. Unter den Stadträten, die an der Versammlung teilnahmen, waren beispielsweise Stefanie Auer und Boris Burkert, die die Bedenken der Anwesenden teilen.
Ein weiterer Punkt war die Neuwahl der Vorstandschaft. Friedrich Brunner wurde erneut zum Vorsitzenden gewählt, unterstützt von Monika Fecher und Matthias Weigl als stellvertretende Vorsitzende sowie Willi Splitter als Schatzmeister. Marlene Schröder wird die neue Schriftführerin sein, während Dr. Gerhard Hagen, Kurt Seul, Achim Stolz und Christoph Schröder als Beiräte des Forums agieren. Der nächste Stammtisch wird am 16. Dezember um 18:30 Uhr in der Heilig Geist Stiftschenke stattfinden. Hier können interessierte Bürger:innen sich aktiv einbringen und ihre Anliegen rund um die Stadtgestaltung zur Sprache bringen.
Im Gesamten zeigt die Versammlung, dass trotz aller Herausforderungen ein echtes Engagement für Passau besteht. Die Themen, die diskutiert wurden, reichen von kritischen Umweltthemen bis zur kreativen Stadtgestaltung und zeigen, dass es wichtig ist, sich auch jenseits eingefahrener, traditioneller Bahnen mit der Stadt auseinanderzusetzen.