Schockanrufe sind eine Betrugsmasche, die vor allem ältere Menschen in Deutschland betrifft. Ein besonders perfider Vorfall ereignete sich am 29. November 2024 im Landkreis Passau. Ein Ehepaar erhielt einen Anruf von jemandem, der sich als Kriminalbeamter ausgab. Er verbreitete die schockierende Nachricht, dass ihr Sohn einen tödlichen Unfall verursacht habe und sich in Gewahrsam befinde. Um ihn aus der Untersuchungshaft zu entlassen, sei eine Kaution von 60.000 Euro erforderlich. In der angespannten Situation manipulierte der Betrüger das anfangs skeptische Paar, indem er sämtliche Telefonleitungen blockierte, sodass sie niemanden kontaktieren konnten. Später ging sogar eine vermeintliche Staatsanwältin am Telefon des Paares auf die Forderungen ein. In einem verzweifelten Akt fuhr der 90-jährige Ehemann nach Passau, um Bargeld und Wertgegenstände zu übergeben.

Doch hier kommt die positive Wendung: Dank der wachsamen Polizei konnte rechtzeitig eingegriffen werden. Diese hatte im Rahmen eines EU-geförderten Projekts zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität die Betrüger bereits im Visier. Ermittler vermuten, dass mindestens drei der Täter in Polen sitzen und die Anrufe von dort aus tätigen. Es handelt sich möglicherweise um international agierende Tätergruppierungen, deren Mitglieder in der Vergangenheit in Deutschland gelebt oder gearbeitet haben. Ein Stimmproben-Trio gibt sich fälschlicherweise als Angehörige, Kriminalbeamte und Staatsanwälte aus und spricht dabei fließend Deutsch.

Die Dimension des Problems

Das Phänomen der Betrugskriminalität ist nicht zu unterschätzen. Laut den jüngsten Statistiken des Bundeskriminalamts ist die Betrugskriminalität in Deutschland 2024 um 1,5 Prozent auf insgesamt 743.472 Fälle zurückgegangen. Dennoch gab es 2024 zudem 513.518 registrierte Betrugsfälle aus dem Ausland. Besonders hervorzuheben ist, dass etwa 55,3 Prozent dieser Delikte unter Nutzung des Internets begangen wurden. Dabei sind Schockanrufe und der bekannte Enkeltrick zwei Hauptmethoden, die oft aus callcenterähnlichen Strukturen organisiert werden, häufig aus der Türkei oder Osteuropa.

Die Polizei hat die internationale Zusammenarbeit verstärkt und ergreift Maßnahmen zur Prävention. Zu den wichtigsten Tipps gehört, bei verdächtigen Anrufen sofort aufzulegen, das Gespräch mit Angehörigen zu suchen und niemals Geld oder Wertgegenstände an Unbekannte zu übergeben. Außerdem empfiehlt es sich, die eigene Telefonnummern zu nutzen, um Angehörige zu kontaktieren, und Misstrauen zu hegen, wenn es um schnelle Geldübergaben geht.

Die Suche nach Zeugen

Einen Aufruf richtet die Polizei an alle, die möglicherweise die Stimmen der Täter erkennen oder Informationen zu den Hintergründen des Betrugsdelikts liefern können. Zeugen, die nähere Hinweise haben, sind aufgerufen, sich zu melden. Die Kripo Frankfurt am Main ist unter der Telefonnummer 069 / 75 55 25 99 erreichbar.

Schockanrufe sind nicht nur ein finanzielles Risiko, sondern auch eine psychische Belastung für die Betroffenen. Die Polizei appelliert an die Bevölkerung, wachsam und informiert zu bleiben, um sich und andere zu schützen. Es bleibt zu hoffen, dass solche obskuren Betrügereien künftig durch verstärkte Präventionsbemühungen weiter eingedämmt werden können.

Für ausführliche Informationen zu den aktuellen Entwicklungen im Bereich der Betrugskriminalität können die Berichte von ZDF heute und Bundeskriminalamt eingesehen werden.