In einer Zeit, in der der politische Diskurs in Deutschland zunehmend polarisiert wird, äußert der scheidende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, seine Besorgnis über die wachsenden Einflüsse der AfD. Anlässlich seines bevorstehenden Amtswechsels und beim Besuch eines AfD-Wahlstandes machte Bätzing deutlich, dass er sich ernsthafte Gedanken über die politischen Konsequenzen mache, die eine Übernahme von Verantwortung durch die Partei mit sich bringen könnte. In einem Interview erklärte er: „Die Wahlprogramme der AfD zeigen deutlich, was passieren könnte, wenn diese Partei an die Macht kommt“ (Mainpost).
Bätzing spricht sich jedoch gegen ein Verbot der AfD aus. Er ist der Meinung, dass demokratische Kräfte aktiv zeigen sollten, dass die AfD überflüssig ist, da sie keine echten Lösungen für die drängenden Fragen der Gesellschaft anbietet. Die Erklärung der Bischofskonferenz, die im Februar 2024 einstimmig verabschiedet wurde, bezeichnet völkischen Nationalismus als unvereinbar mit dem christlichen Glauben. Dies geschieht in einem Kontext, in dem rechtsextremistische Strömungen als eine der größten Bedrohungen für die freiheitliche Ordnung angesehen werden.
Engagement für Demokratie und Menschenwürde
Bätzing betont, dass Erklärungen allein nicht ausreichen. Er fordert ein aktives Engagement für Demokratie und Menschenwürde und schlägt vor, dass Kirchen mit anderen gesellschaftlichen Gruppen zusammenarbeiten sollten, um gegen rechte Strömungen aktiv zu werden. „Die Menschenwürde ist der Glutkern des christlichen Menschenbildes und der Anker unserer Verfassungsordnung“, so Bätzing weiter (DBK).
Der bevorstehende Wechsel in der Führung der Bischofskonferenz, mit der Wahl eines Nachfolgers am Dienstagvormittag, könnte eine neue Richtung im Umgang mit den Herausforderungen durch rechtsextreme Ideologien einleiten. Während Bätzing sechs Jahre lang an der Spitze stand, hat sich die Gesellschaft immer weiter polarisiert, was die Notwendigkeit eines gemeinsamen Engagements zur Aufrechterhaltung der demokratischen Werte unterstreicht.
Hintergrund und gesellschaftliche Kontextualisierung
Die Auseinandersetzung mit rechtsextremistischen Positionen ist nicht nur eine kirchliche, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Wissenschaftliche Studien wie die von Alves et al. (2024) zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Unsicherheit in der Gesellschaft und der Zunahme nationalistischer sowie anti-immigrationistischer Einstellungen. Diese Dynamiken verstärken sich häufig in Krisenzeiten, was die Wichtigkeit eines stabilen und gerechten Zusammenlebens unterstreicht (BPB).
In einer solchen Zeit des Wandels ist der Dialog mit Menschen, die für rechtsextreme Ideologien empfänglich sind, unerlässlich. Der Aufruf zur aktiven Mitgestaltung der freiheitlichen Demokratie und zum Widerstand gegen die Gefahren, die durch die Verletzung der Menschenwürde entstehen, ist eine zentrale Botschaft, die sowohl von der Kirche als auch von der Gesellschaft insgesamt gehört werden sollte. Bätzing hinterlässt ein Erbe, das die dringend benötigte Aufmerksamkeit auf diese Themen lenkt und die Wichtigkeit des Engagements für eine demokratische, solidarische Gesellschaft betont.