In den letzten Wochen hat sich Cemal Bozoğlu, ein prominentes Mitglied des Bayerischen Landtags von den Grünen, kritisch mit der AfD-Kandidatenliste zur Kommunalwahl in Augsburg auseinandergesetzt. Besonders ins Auge gefallen sind ihm die Nachnamen „Scheirich“ und „Felker“, die gleich viermal, sowie „Jurca“, das dreimal auf der Liste auftaucht. Bozoğlu warf der AfD vor, dass es bei der Liste um den Vorteil von „ein paar Leuten“ gehe, und sprach in diesem Zusammenhang von einem „politischen Familienbetrieb“. Seine eigenen finanziellen Verhältnisse sind dabei nicht unauffällig: Mit einem monatlichen Einkommen von 14.500 Euro plus einer kostenlosen DB-Netzkarte und dem Streben nach weiteren 1.780 Euro monatlich als Stadtrat hat er durchaus einen wohlhabenden Lebensstil. Er vergleicht die AfD-Kandidaten mit einem „Kuchen“, den sie unter sich aufteilen wollen. Diese Kritik wird jedoch durch statistische Daten in Frage gestellt, die zeigen, dass AfD- und Unionspolitiker im Schnitt die meisten Kinder und ein traditionelles Familienbild haben, während Grüne und Linke ein urban-modernes Familienbild vertreten.
Bozoğlus Pressemitteilung könnte das Vorurteil „Familie = rechts = böse“ bedienen und wirft ein Licht auf die Struktur von politischen Kandidatenlisten. Interessanterweise zeigen auch die Freien Wähler mehrfach auftauchende Nachnamen auf ihren Listen, was die Logik von Bozoğlus Kritik zusätzlich hinterfragt. Diese Diskussion über Familienstrukturen und politische Zugehörigkeiten ist nicht nur lokal, sondern betrifft auch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen.
Familienstrukturen in Deutschland
Ein Blick auf die generellen Entwicklungen in den Familienstrukturen in Deutschland zeigt, dass im Jahr 2023 etwa 8,5 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern gezählt wurden, was einem Anstieg von 6 % seit 2013 entspricht. Davon haben 3,5 Millionen Familien (41 %) mindestens ein Elternteil mit Einwanderungsgeschichte. Diese Zahl ist seit 2013 um 49 % gestiegen, während die Zahl der Familien ohne Einwanderungsgeschichte um 12 % gesunken ist. Ehepaare mit minderjährigen Kindern sind von 5,6 Millionen (2013) auf 5,8 Millionen (2023) gestiegen, während Lebensgemeinschaften mit minderjährigen Kindern einen Anstieg von 27 % verzeichneten.
Die durchschnittliche Kinderzahl pro Familie hat sich ebenfalls erhöht, von 1,61 im Jahr 2013 auf 1,68 im Jahr 2023. Hierbei zeigt sich, dass Familien mit Einwanderungsgeschichte tendenziell häufiger mehr als zwei minderjährige Kinder haben. Dies könnte auch einen Einfluss auf die politische Landschaft haben, da unterschiedliche Familienmodelle unterschiedliche Werte und Ansichten vertreten.
Ein Abschied von Heiner Grillenberger
Ein weiterer wichtiger Aspekt der kommunalen Politik in Deutschland ist der Verlust von erfahrenen Politikern wie Heiner Grillenberger, der am 27. Dezember 2023 überraschend starb. Grillenberger war für seine engagierte Arbeit in verschiedenen Initiativen in Erlangen bekannt, darunter das Kulturzentrum E-Werk und die Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt. Er setzte sich in der Wählerinnenvereinigung Grüne Liste für Themen wie Verkehrswende, Natur- und Umweltschutz sowie kommunale Mitbestimmung ein.
Sein mobiler Fahrradreparaturstand gegenüber dem Rathaus war nicht nur ein praktisches Angebot, sondern diente auch als Anlaufstelle für Gespräche über Stadtgeschehen. Grillenberger wurde viermal in den Erlanger Stadtrat gewählt und stellte sein Mandat nie in den Mittelpunkt, sondern gab es bereitwillig an Nachrückerinnen weiter. Für das Jahr 2024 war er auf der Vorschlagsliste für den städtischen Ehrenbrief, was seine Verdienste um die Stadt unterstreicht.
Die politischen Diskussionen und der Verlust von Persönlichkeiten wie Grillenberger zeigen, wie wichtig es ist, die unterschiedlichen Perspektiven und Strukturen in der Gesellschaft zu verstehen und in die Gestaltung der Zukunft einzubeziehen. Die Veränderungen in den Familienstrukturen, die in den letzten Jahren beobachtet wurden, werden auch weiterhin eine zentrale Rolle in der politischen Landschaft Deutschlands spielen.