Die Stadt Roth steht vor einem Richtungswechsel: Das bekannte Fitnessstudio „WellCome“ wird bald zum neuen „Heldenwerk“ umgebaut. Dieses Vorhaben wird nicht nur die Fitness-Landschaft prägen, sondern hat auch direkte Auswirkungen auf die Pläne der Ditib-Moscheegemeinde in Roth. Markus „Mac“ Zinke ist der kreative Kopf hinter diesem Umbau und hat große Pläne für die zukünftige Nutzung des Areals, das eine ganz neue Atmosphäre schaffen soll.
Doch was bedeutet das für die bereits bestehenden Strukturen der Ditib-Moscheegemeinde? Laut nn.de hat die Umwandlung des Fitnessstudios direkten Einfluss auf die angeschlossenen Pläne für einen Moschee-Neubau. Ursprünglich war die Gemeinde in den Umbauprozess integriert, doch nun stehen die Beteiligten vor neuen Herausforderungen.
Die Rolle von Ditib in Deutschland
DITIB, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, ist mit nahezu 1.000 Moscheegemeinden die größte muslimische Dachorganisation in Deutschland und hat ihre Wurzeln in Köln. Gegründet wurde sie am 5. Juli 1984, und von Anfang an war es ihr Ziel, einen fundamentalistisch geprägten Islam in Deutschland zu verhindern. Diese Bestrebungen sind eng verknüpft mit der Geschichte der türkischen Religionsbehörde Diyanet, die unter Mustafa Kemal Atatürk im Jahr 1924 ins Leben gerufen wurde, um Religion und Politik voneinander zu trennen, wie ndr.de berichtet.
In den achtziger Jahren war DITIB auch ein Ort des türkischen Nationalismus. Bilder von Atatürk und türkische Fahnen waren ständige Begleiter in den Gemeinden. In nur einem Jahr wurde eine Vielzahl von 250 neuen Gemeinden gegründet. DITIB stellte dabei Imame aus der Türkei zur Verfügung, deren Gehälter vom türkischen Staat übernommen wurden.
Von der Herausforderung zur Chance
Doch die letzten Jahre waren nicht immer einfach für DITIB. Mit dem politischen Aufstieg der AKP unter Recep Tayyip Erdoğan wächst der Einfluss auf Ditib zunehmend. Nach dem Putschversuch 2016 sah sich DITIB mit heftigen Vorwürfen konfrontiert und wurde als verlängerter Arm des türkischen Regimes angesehen. Ein Wandel ist jedoch in vollem Gange. DITIB bemüht sich um mehr Transparenz und Vertrauen, indem beispielsweise ein deutschsprachiger Vorsitzender, Muharrem Kuzey, ernannt wurde.
Die Organisation möchte sowohl den muslimischen Gläubigen als auch der breiten Gesellschaft einen Dienst erweisen. Mit etwa 896 Ortsgemeinden bietet DITIB überall in Deutschland Orte an, an denen Muslime ihren Glauben ausüben können. Zudem engagiert sich DITIB im sozialen Bereich und eröffnet jährlich Integrations- und Sprachkurse, die nicht nur türkischen oder muslimischen Menschen zugutekommen, sondern allen Interessierten offen stehen, wie auf ditib.de zu lesen ist.
Der Prozess der Transformation in DITIB ist vielschichtig und wird begleitet von Herausforderungen, aber auch von vielen Chancen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Verlagerung des Fitnessstudios und die veränderten Umbaumaßnahmen auf die Gemeinde auswirken werden. Die künftige Zusammenarbeit zwischen dem neuen „Heldenwerk“ und der Ditib-Gemeinde könnte einen spannenden Rahmen für eine integrative Nachbarschaft schaffen. Hier liegt die Chance, kulturelle und soziale Synergien zu nutzen und den Dialog zwischen den verschiedenen Gruppen in Roth zu fördern.