Es gibt Momente im Leben, die uns ein Licht auf den Weg werfen, auch wenn sie zunächst dunkel erscheinen. So erlebte es Michael Roth, ein ehemaliger SPD-Politiker und zuletzt Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Am Neujahrstag 2022 erhielt er den entscheidenden Anstoß, als er sich eingestehen musste, dass er professionelle Hilfe benötigte. Focus.de berichtet, dass dieser Schritt für Roth und sein Umfeld schmerzhaft war, ihm jedoch den Weg zur Besserung ebnete. Er beschreibt eine Lebenssituation, die von Ängsten und schweren Depressionen geprägt war, und hat durch Psychotherapie und Selbstreflexion gelernt, mit seinen Ängsten umzugehen.
Bereits zuvor war Roth 25 Jahre in der Politik aktiv. Seine Kindheit war jedoch von einem alkoholkranken Vater und Mobbing aufgrund seiner Homosexualität geprägt, was seine psychischen Probleme verschärfte. Nun fordert Roth, dass Männer offener über ihre Gefühle sprechen, da viele noch immer der Meinung sind, Schwäche zu zeigen, wenn sie über Emotionen reden. „Meine Vergangenheit zu befrein war ein großer Schritt“, so Roth, der tief in die Thematik der Depressionen eingetaucht ist und darüber in seinem Buch „Zonen der Angst“ berichtet.
Männer und Depressionen – Ein oft unsichtbares Leiden
Doch das Thema Depressionen betrifft nicht nur Roth. Statistiken zeigen, dass etwa fünf von hundert Männern an einer Depression leiden und die Dunkelziffer weitaus höher sein dürfte. Tagesschau.de weist darauf hin, dass die Symptomatik bei Männern oft anders ist: Gereiztheit, Aggressivität oder ein übermäßiger Konsum von Alkohol und Arbeit sind häufige Erscheinungsformen, die nicht sofort als Anzeichen einer Depression erkannt werden. Zudem zeigt sich, dass Männer häufig erst zu spät Hilfe suchen – nämlich wenn körperliche Symptome auftreten, die nicht mit einer Depression in Verbindung gebracht werden.
Die Herausforderungen, die sich aus alten Männlichkeitsidealen ergeben, stehen oft im Widerspruch zu den Bedürfnissen depressiv erkrankter Männer. Eine Studie der American Psychological Association belegt, dass eine starke Ausrichtung an traditionellen Rollenbildern das Risiko für Depressionen erhöhen kann. Diese Thematik wird auch in Therapieansätzen aufgegriffen, die speziell für Männer entwickelt wurden. Immer mehr Kliniken bieten geschützte Gruppen an, in denen Betroffene über sensible Themen sprechen können, die sie in gemischten Gruppen oft meiden würden.
Neue Wege in der Behandlung
Etablierte Kliniken, wie die Wahrendorff-Klinik, setzen gezielt auf den Einsatz von Sport, um stimmungsaufhellende Hormone zu fördern. Durch verschiedene Sportarten sollen Konzentration, Selbstvertrauen und die Körperwahrnehmung gestärkt werden. Diese Ansätze zeigen, dass es Weg gibt, wie Männer besser mit ihren Emotionen umgehen können und letztlich auch ihre Lebensqualität steigern. Roth ermutigt andere, sich ihren Ängsten zu stellen und wie er über ihre Emotionen zu sprechen.
Michael Roth hat eines klar erkannt: Die Depression ist oft unsichtbar, und die Rückzüge von Erkrankten sind nicht persönlich zu nehmen. Geduld mit sich selbst und anderen ist das Schlüsselwort auf dem Weg zur Heilung, der oft Jahre in Anspruch nimmt. Die Zeit ist reif, das Stigma zu brechen und Männer zu ermutigen, über ihre Gefühle zu sprechen und Hilfe zu suchen.




