Was tut sich in Bayern in Sachen Windkraft? Vor zehn Jahren brannten in Unterfranken noch die Gemüter, wenn es um Windkraftanlagen ging. Massive Widerstände und hitzige politische Debatten prägten das Bild. Der Wind hat sich jedoch gedreht, und mittlerweile ist es ruhiger um die Windräder geworden. Laut mainpost sind Windkraftanlagen ein wichtiger Teil der Energiewende, und Experten sehen nach wie vor großes Potenzial.

Das zeigt sich nicht zuletzt in der Debatte um die Nutzung bayerischer Wälder für Windkraftprojekte, wo es weiterhin schlagkräftige Argumente und Widerstände gibt. Die neue Planung für Windräder in mehreren Gemeinden könnte bald wieder in Angriff genommen werden, vor allem in Gebieten wie Fremdingen, wo Bürgermeister Frank-Markus Merkt Windkraft als lukrative Einnahmequelle für die Gemeinde sieht. Geplant sind dort sechs bis acht Windräder, die jährlich „weit über 100.000 Euro“ einbringen könnten. Das kann sich sehen lassen – und die Anlagenbetreiber müssen gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde an die Gemeinden zahlen.

Pro und Contra Windkraft

Doch nicht überall in Bayern wird die Windkraft mit offenen Armen empfangen. In Ziemetshausen etwa hat eine geplante Windpark-Errichtung einstimmig Ablehnung gefunden. Hierfür gibt es gute Gründe: Die bereits bestehenden Biogasanlagen versorgen viele Haushalte mit Wärme und produzieren mehr Strom als benötigt. Zudem gibt es Bedenken, dass der Charakter der traditionsreichen Wallfahrtsorte durch Windräder gefährdet wird. Projektentwickler Thorsten Wehner plant zwar, einen Mindestabstand von zwei Kilometern zur Wallfahrtsstätte Maria Vesperbild einzuhalten, doch Bürgermeister Ralf Wetzel möchte den Windpark nach wie vor verhindern. Immerhin zieht Maria Vesperbild jährlich bis zu 450.000 Pilger an und genießt besonderen Schutz als landschaftsprägendes Denkmal.

Die unterschiedlichen Ansichten zu Windkraftprojekten ziehen sich durch ganz Bayern. In Marktl beispielsweise stimmten die Bürger einer Windkraftplanung zu, während die Nachbargemeinde Mehring dagegen war. Der Windpark im Chemiedreieck gilt als Prestigeprojekt der bayerischen Staatsregierung, das jedoch auf eine hitzige Diskussion stieß. Ministerpräsident Markus Söder musste seinen ursprünglichen Plan von 40 Windrädern auf 27 reduzieren, nachdem es massiven Protest gab. Damit zeigt sich eines klar: Die Energiewende ist ein ständiges Ringen um Kompromisse.

Herausforderungen für die Windkraft in Bayern

Bayern hat nicht nur aufgrund der überwältigenden Widerstände zu kämpfen, sondern auch aufgrund der „10H-Regelung“, die einen Mindestabstand von zehnfacher Höhe des Windrades zu Wohnbebauung vorschreibt. Das hat zu beträchtlichen Planungsstillständen geführt. Obwohl die bayerischen Staatsforsten mit 8.000 Quadratkilometern Fläche theoretisch Platz für bis zu 500 Windräder bieten, sind derzeit lediglich 101 in Betrieb. Es besteht also noch viel Raum für Fortschritt.

Im Vergleich dazu zeigen die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen, wie es auch anders gehen kann. In Rheinland-Pfalz werden Standorte oft per Interessensbekundungsverfahren vergeben, was positive Erfahrungen mit sich gebracht hat. Hessen überzeugt mit über 500 Windrädern in Wäldern und hat ein offenes Bieterverfahren für die Vergabe eingeführt, das auch die regionale Wertschöpfung berücksichtigt. Ein klarer Vorteil, den Bayern noch anstreben muss.

Die bayerische Staatsregierung steht nun unter Druck, die Zustimmungspflichte für Windkraftprojekte zu überprüfen. Energieminister Hubert Aiwanger kündigte bereits an, dass Anpassungen an der aktuellen Regelung geplant sind, um Investitionen zu fördern. Auch Ministerpräsident Söder hebt hervor, wie wichtig eine schnelle Umsetzung der Änderungen ist, um die Energiewende nicht aus den Augen zu verlieren.

Die Diskussion um die Windkraft ist damit längst nicht beendet und wird für die bayerischen Gemeinden weiterhin ein zentrales Thema bleiben. Da liegt einiges an!