In diesem Jahr feiert Dießen ein bemerkenswertes Jubiläum: 700 Jahre Bürgergemeinde. Anlässlich dieser Feierlichkeiten hat die Archivarin Barbara Blankenburg ein spannendes Programm mit sieben Vorträgen zu prägenden Themen der Stadtgeschichte organisiert. Die Wurzeln Dießens reichen bis in die Jungsteinzeit und Bronzezeit zurück, wobei die offizielle Erhebung zum Bannmarkt durch König Ludwig den Bayern im Jahr 1326 einen entscheidenden Wendepunkt darstellt. Diese historische Dimension wird in den Vorträgen eingehend beleuchtet.

Der erste Vortrag, „Auch ein König braucht Verbündete – Ludwig der Bayer und Dießen in bewegten Zeiten“, wird von Martin Kaufhold, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Augsburg, gehalten. Dieser Vortrag findet am 25. Februar um 19 Uhr im Blauen Haus statt und bietet einen tiefen Einblick in die Herrschaftsjahre Ludwigs des Bayern sowie in die Anfänge der Bürgergemeinde Dießen. Ludwig der Bayer war nicht nur König, sondern auch ein kämpferischer Kaiser, der sich mehreren mächtigen Gegnern stellen musste und entscheidende Rechte an Dießen verlieh, die für die Entwicklung der Gemeinde von großer Bedeutung waren.

Einblicke in die Geschichte Dießens

Die Vorträge werden nicht nur die Geschichte Dießens unter Ludwig dem Bayern thematisieren, sondern auch weitere interessante Aspekte der lokalen Geschichte beleuchten. So wird am 15. Juli Wolfgang Lösche die Geschichte des Hafnerhandwerks in Dießen vorstellen, während Bernd Steidl am 30. September auf „Archäologie in Dießen und um den Ammersee – eine Spurensuche durch Jahrtausende“ eingehen wird. Am 4. November wird Clara Gensbaur-Shao das Thema „Malen unter dem ‚Dießener Himmel‘ – Dießener Maler (1876-1976)“ behandeln.

Ein ganz besonderer Vortrag steht am 8. November auf dem Programm: Brigitte Ganswindt und Andrea Schamberger-Hirt werden den Dießener Dialekt unter dem Titel „Tiaßarisch“ vorstellen, inklusive der Vorstellung des „Diessner Wörterbuchs“ von Bruno Schweizer. Am 18. November wird Herwig Stuckenberger über „Karl Vorhölzer (1810-1887) – Maler, Theatermacher und Chronist aus Dießen“ referieren, gefolgt von Guido Treffler, der am 9. Dezember die „Säkularisation des Augustinerchorherrenstifts Dießen“ thematisiert. Alle Vorträge werden von Barbara Blankenburg moderiert und finden im Blauen Haus, Prinz-Ludwig-Straße 23, statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung per E-Mail an archiv@diessen.de ist erforderlich.

Ein fotografischer Blick auf Bayern

Zusätzlich zu den Vorträgen wird ein Fotoprojekt von Yorck Dertinger präsentiert, das unter dem Titel „Auch Bayern“ Künstler und Außenseiter in eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Porträts festhält. Diese visuellen Darstellungen ergänzen die thematische Tiefe der historischen Vorträge und bieten einen breiteren Kontext zur Kultur und Geschichte der Region.

Um die Bedeutung Ludwigs des Bayern weiter zu verdeutlichen, sei erwähnt, dass die Bayerische Landesausstellung 2014, die über 140.000 Besucher anzog, diesem ersten wittelsbachischen Kaiser gewidmet war. Die Ausstellung in Regensburg, einer UNESCO-Weltkulturerbestadt, zielt darauf ab, das Interesse an Ludwig IV. zu wecken, dessen Errungenschaften oft im Schatten seiner Nachfolger stehen. Sein Grabmal in der Münchner Frauenkirche ist ein bedeutendes Zeugnis seiner positiven Erinnerung in Bayern. Auch wenn Gegner versuchten, sein Andenken zu tilgen, bleibt Ludwig der Bayer eine zentrale Identifikationsfigur der bayerischen Geschichte, und sein Einfluss ist bis heute spürbar.

Die Vorträge in Dießen stellen nicht nur einen Rückblick auf die Geschichte dar, sondern auch eine Gelegenheit für die Bürger, sich aktiv mit ihrer eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und deren Bedeutung für die Gegenwart zu reflektieren. Weitere Informationen zu den Vorträgen und zur Anmeldung finden Sie unter Süddeutsche.de und 700-diessen.de.