In Penzberg stehen die neugebauten Mehrfamilienhäuser am Geh- und Radweg neben der Straße „Am Schloßbichl“ mit insgesamt 33 Wohnungen derzeit leer. Der Vermietungsprozess für diese Wohnungen hat bereits begonnen, jedoch wirft die Insolvenz des Bauunternehmens Keval einen Schatten auf die Zukunft des Projekts. Im Januar 2026 wurden acht Insolvenzverfahren für verschiedene Gesellschaften des Unternehmens eingeleitet, was die Situation kompliziert. Der Insolvenzverwalter, der Münchner Rechtsanwalt Marc-André Kuhne, führt die Gespräche zur Klärung der finanziellen Lage.
Die Bauarbeiten für die Mehrfamilienhäuser starteten im Jahr 2022. Trotz des Richtfests zu Beginn des Jahres 2024, das auf einen zügigen Baufortschritt hinwies, war die Fertigstellung für September 2024 geplant. Die VR Bank Starnberg-Zugspitze übernahm am 7. August 2025 die Eigentumsrechte an den Mehrfamilienhäusern. Laut der Bank wurden die Arbeiten jedoch aufgrund offener Restleistungen und Mängelbeseitigungsarbeiten verzögert, sodass die Vermietung nun für den Sommer 2026 vorgesehen ist. Die Bank sieht die Auswirkungen der Keval-Insolvenz auf die Fertigstellung und den Vermietungsprozess als gering an.
Ein Blick auf die Ursachen der Insolvenz
Die Insolvenz von Keval ist nicht isoliert zu betrachten, sondern Teil eines größeren Trends in der Immobilienbranche. Der Insolvenzverwalter nennt die Veränderung der Immobilienpreise und Zinsen infolge des Ukraine-Kriegs als einen der Hauptgründe für die finanzielle Schieflage des Unternehmens. Viele Bauprojekte stehen auf der Kippe – so wurden beispielsweise in Geretsried die Arbeiten an einem Haus mit acht Eigentumswohnungen eingestellt, während ein weiteres Projekt in Gelting fortgesetzt wird.
Die Internetseite zur Insolvenzbekanntmachung informiert über die rechtlichen Aspekte von Insolvenzen und warnt vor irreführenden Angeboten. Es ist wichtig, solche Informationen genau zu prüfen, da viele Unternehmen versuchen, durch gefälschte Schreiben und Zahlungsaufforderungen Verwirrung zu stiften. Bei Zweifelsfragen sollte stets das zuständige Gericht kontaktiert werden, um sicherzustellen, dass man keine falschen Zahlungen leistet.
Marktentwicklung und Ausblick
Die Situation von Keval spiegelt einen alarmierenden Trend in der gesamten Immobilienbranche wider. Laut einer Analyse der Unternehmensberatung Falkensteg hat sich die Zahl der Insolvenzen bei Immobilienunternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz im Jahr 2024 mehr als verdoppelt. Besonders betroffen ist der Bereich Innenausbau, wo die Zahl der Insolvenzen von 14 auf 40 Fälle nahezu verdreifacht wurde. Im Rohbau- und Projektierungssektor gab es einen Anstieg um 52 Prozent auf 29 Fälle. Christian Alpers, Partner bei Falkensteg, bezeichnet die aktuelle Lage als eine der größten Rezessionen in der Branche.
Für 2025 wird ein weiterer Anstieg der Insolvenzen um rund 50 Prozent prognostiziert, insbesondere bei nachgelagerten Gewerken wie Gebäudedienstleistern und Zulieferern. Die Unsicherheit auf dem Markt wird durch eine Zurückhaltung bei Investitionen verstärkt, trotz sinkender Zinsen. Auch institutionelle Investoren stehen unter Druck, da viele Immobilien zu hohen Preisen erworben wurden. Alpers rät, die derzeitige Situation auszusitzen und auf aktives Bestandsmanagement zu setzen.
Die Entwicklungen in der Immobilienbranche betonen die Notwendigkeit, die Risiken bei Investitionen in Immobilien genau abzuwägen und sich über aktuelle Marktentwicklungen zu informieren. In diesem Kontext bleibt es spannend zu beobachten, wie sich die Pläne für die Wohnungen am Schloßbichl weiterentwickeln werden und ob die Vermietung im Sommer 2026 tatsächlich realisiert werden kann.