Ein neues Wohnkonzept erblickt das Licht der Welt: Antonia Cruel (31) und Max Seeberger (36) aus Herrsching setzen auf ein autarkes Tiny House, das auf Stelzen steht. Nahezu ohne Flächenversiegelung entwickelt das Paar im Rahmen ihres Start-ups „Stiltlife“ ein mobiles Zuhause, das ein bemerkenswerter Beitrag zur aktuellen Diskussion über nachhaltiges Wohnen darstellt. Die beiden haben sich während ihres Studiums in München kennengelernt und teilten von Anfang an das Interesse an funktionalem, umweltbewusstem Wohnen.

Die Idee für ihr „Baumhaus für Erwachsene“ kam ihnen während der Pandemie, als sie auf einer stillgelegten Sandabbaufläche lebten. Nun lebt das Paar mit ihrem einjährigen Sohn in Herrsching und hat das Konzept weiter verfeinert. Ihr 18 Quadratmeter großes Haus steht drei Meter über dem Boden und ist mit einem Wassertank, einer Trockentoilette sowie einer Solaranlage ausgestattet, was es vollkommen autark macht. Laut Merkur wurde die Tragstruktur des Tiny Houses patentiert und ermöglicht ein flexibles Aufstellen in städtischen sowie ländlichen Gebieten.

Nachhaltigkeit im Fokus

Das Tiny House ist nicht nur ein Raumwunder, sondern verkörpert auch ein neues, minimalistisches Lebenskonzept. Autarke Tiny Houses stehen zunehmend für Selbstversorgung und Unabhängigkeit und sind eine Antwort auf die Herausforderungen des städtischen Wohnens. Mit einem geringerem Energieverbrauch und der Möglichkeit, mit erneuerbaren Energien wie Solarenergie zu arbeiten, tragen sie aktiv zur Ressourcenschonung bei, so berichtet Tiny Concept.

In einer Welt, in der der Klimawandel immer mehr Sorgen bereitet, sind solche innovativen Wohnformen Gedanken über die CO2-Bilanz wert. Ein Tiny House produziert lediglich etwa 15% der CO2-Emissionen eines konventionellen Neubaus und verbraucht 30-50% weniger Wasser. Dies macht es zu einer noch attraktiveren Wahl für umweltbewusste Menschen.

Finanzielle Herausforderung und Zukunftsvision

Trotz der vielen Vorteile ist die Finanzierung – vor allem in Deutschland – eine große Hürde. Banken betrachten Tiny Houses als bewegliches Vermögen und sind oft zögerlich, Kredite für den Kauf zu gewähren. Der Preis für ein solches Haus variiert zwischen 80.000 und 120.000 Euro. Das ist natürlich ein Batzen Geld, aber für Menschen, die an einem nachhaltigen Lebensstil interessiert sind, könnte es sich als ein gutes Geschäft herausstellen.

Cruel und Seeberger haben sich daher auf die Suche nach Investoren gemacht, um „Stiltlife“ in Serienproduktion zu bringen und so mehr Menschen die Möglichkeit zu bieten, in einem Tiny House zu leben. Ihre Vision geht über den individuellen Wohnraum hinaus: Gemeinsam mit der Technischen Universität München wird das Projekt weiterentwickelt, um das Haus nicht nur für Menschen, sondern auch für Vögel und Kleinstlebewesen nutzbar zu machen.

Die Innenwände des Hauses sind dunkel geölt, um Lichtsmog zu vermeiden und eine angenehme Wohnatmosphäre zu schaffen. Kaufinteressenten sind neben Privatpersonen auch Hotels und Ökobauern, die für ihre Projekte ein passendes, nachhaltiges Konzept suchen. Mehr Informationen über „Stiltlife“ sind auf der Website www.stiltlife.com verfügbar.

Das Tiny House stellt eine zukunftsweisende Wohnlösung dar, die nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch reizvoll ist. Bei einem großen Umdenken in der Gesellschaft könnte dies der Schlüssel zu einem nachhaltigeren Lebensstil sein. So bleibt nur zu hoffen, dass dieses innovative Konzept Schule macht und sich als ein Vorzeigeprojekt für umweltbewusstes Wohnen etablieren kann.