In Kochel am Schwanensee brodelt es gewaltig: Die Eltern von Schülern aus den Ortsteilen Ried, Ort und Pessenbach sind über die neue Regelung zur Erstattung der Fahrkosten erbost. Statt wie gewohnt zur Schule nach Penzberg zu fahren, müssen die Kids jetzt nach Murnau tingeln. Dabei steckt hinter dem Ganzen eine Umgestaltung des Nahverkehrsnetzes, die dem Münchner Verkehrsverbund (MVV) geschuldet ist. Demokratie ist keine Einbahnstraße, und das bekommt auch Rathauschef Jens Müller zu spüren, der nun beim Landratsamt Druck macht. Er hat einen Brief an Landrat Josef Niedermaier (FW) geschickt, in dem er eine Ausnahmeregelung anmahnt, um die Schüler von den finanziellen Sorgen zu entlasten. Müller bezeichnet Murnau als „falschen Schulort“ für die betroffenen Schüler, was die Gemüter der Anwesenden in der letzten Sitzung des Gemeinderats im Hotel Waldschänke in Ried ordentlich erhitzte.

In der Diskussion meldete sich auch Michael Zerluth von den Freien Bürgern Ried zu Wort und fragte nach weiteren Handlungsmöglichkeiten der Gemeinde. Unterschiedliche Ratschläge kamen von Markus Greiner (Junge Liste) und Reinhard Dollrieß (FW), doch der Tenor war klar: Für die betroffenen Eltern muss eine Lösung her, und zwar schnell. An die 11. Jahrgangsstufe werden Rückerstattungen laut den neuen Bestimmungen für die Fahrtkosten erhoben, allerdings erstickt ein Berg von Regularien an spontanem Handeln. Zu allem Überfluss wird die Rückerstattung für das vergangene Schuljahr erst ab diesem Jahr möglich – ein Umstand, der die betroffenen Eltern zusätzlich strapaziert.

Hintergrund zur Erstattung der Fahrtkosten

Mit dieser neuen Situation müssen die Familien sich nicht nur an die geänderte Schulstrecke gewöhnen, sondern auch an die finanziellen Unwägbarkeiten, die damit verbunden sind. Denn die Fahrtkosten werden nur im Rahmen einer Genehmigung für die Kostenfreiheit des Schulwegs zurückerstattet. Ab der kommenden Schuljahres wäre also die Erstattung für ein Monatsticket von Ried nach Murnau möglich, doch erwartungsgemäß beginnt der Preis bei 36,50 Euro pro Monat. Ein gutes Geschäft? Theoretisch, denn praktisch wird das Fahrticket für Schüler, dank des 365-Euro-Tickets, nicht teurer.

Doch sind die Herausforderungen nicht nur finanzieller Natur; auch die Erreichbarkeit ist ein wichtiges Thema. Bei Abweisung des Antrags auf Fahrkostenerstattung bleiben die Schüler und ihre Eltern auf ihren Ausgaben sitzen. Umso wichtiger ist es, hier alle Vorbedingungen im Blick zu halten. Während die Gemeinde also starre Regularien verarbeiten muss, liegen die Nerven der Eltern blank. Schließlich bedeutet die neue Regelung nicht nur zusätzliche Kosten, sondern auch längere Schulwege für die Kinder. Eine unglückliche Situation für alle Beteiligten.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Ausblick

Die Gemeinde ist nun gefordert, für eine positive Wende zu sorgen, bevor die nächsten Schuljahre angebrochen sind. Müller warnt jedoch vor rechtlichen Problemen, sollten kurzfristige finanzielle Unterstützungen anvisiert werden, die nicht den Vorgaben der Schülerbeförderungsverordnung entsprechen. Der Druck auf das Landratsamt lässt sich nicht länger ignorieren und muss nun dann enden, wenn es darum geht, künftige Generationen angemessen zu betreuen.

In der Zwischenzeit bleibt nur zu hoffen, dass alle Beteiligten, insbesondere die Eltern, einen konstruktiven Dialog führen und Lösungsmöglichkeiten finden können, die die Lebensrealität ihrer Kinder nicht noch komplizierter machen. Denn eines ist sicher: Der Weg zur Schule darf kein Grund zur Sorge sein.