Am 6. März 2026 ist es offiziell: Andrea Jochner-Weiß, die erste Landrätin des Landkreises Weilheim-Schongau, wird nach zwölf Jahren im Amt nicht erneut kandidieren. Im Landkreis, in dem mehr als 139.000 Menschen leben und arbeiten, möchte sie sich neuen Herausforderungen stellen und plant, sich nach ihrem Rücktritt mehr Freizeit zu gönnen und Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Die Entscheidung, nicht mehr zur Wahl anzutreten, fiel bereits vor sechs Jahren nach intensiven Gesprächen mit ihrer Familie. Jochner-Weiß, die 2026 65 Jahre alt wird, betont, dass sie aufhören möchte, wenn es am schönsten ist.

Die politische Karriere von Jochner-Weiß begann 1990 im Wielenbacher Gemeinderat. Nach 16 Jahren als Zweite Bürgermeisterin und ihrer Rolle als stellvertretende Landrätin von 2008 bis 2014 wurde sie schließlich in einer Stichwahl zur Landrätin gewählt. Ihre Amtszeit war von zahlreichen Herausforderungen geprägt, darunter die Flüchtlingskrise ab 2014 und die Corona-Pandemie. Auch die Krankenhausversorgung im Landkreis stellte eine zentrale Thematik dar, die sie aktiv vorantrieb. Unter ihrer Führung wurde eine „Zwei-Haus-Lösung“ für die Krankenversorgung erarbeitet, nachdem ein ursprünglich geplantes Zentralklinikum durch einen Bürgerentscheid gestoppt wurde. Besonders stolz ist sie auf die Umstrukturierung des Krankenhauses in Schongau und die Verbesserung der Facharztversorgung.

Bildung und Infrastruktur im Fokus

Ein zentrales Thema während ihrer Amtszeit war auch die Bildung. Jochner-Weiß setzte sich für zahlreiche Schulsanierungen und -erweiterungen ein, darunter der Neubau der gewerblich-technischen Berufsschule in Weilheim sowie die Sanierung und Erweiterung von Schulen in Schongau. Sie blickt dankbar auf die Zusammenarbeit mit Bürgern, dem Kreistag und der Verwaltung zurück und plant, ihre verbleibende Amtszeit mit vollem Einsatz zu gestalten.

Die Herausforderungen, die ihre Nachfolgerin oder ihr Nachfolger erwarten, sind vielfältig. Themen wie die zivile Verteidigung, die Flüchtlingspolitik und die Gesundheitsreform stehen auf der Agenda. Jochner-Weiß betont die Notwendigkeit, auch schwierige und kontroverse Themen anzugehen, und verweist auf die Bedeutung der politischen Mitbestimmung, insbesondere für Frauen. Sie empfindet, dass Frauen in politischen Ämtern sich mehr beweisen müssen als Männer.

Politische Repräsentation von Frauen

Die Situation von Frauen in der Politik ist auch im Kontext von Jochner-Weiß‘ Rücktritt relevant. Laut aktuellen Daten beträgt der Frauenanteil in den Fraktionen des Bundestages im Jahr 2025 41,7 % bei der SPD und sogar 61,2 % bei den Grünen. Im Gegensatz dazu sind in den Kommunalvertretungen Frauen nur mit etwa 30,5 % vertreten, wobei der Anteil bei Landrätinnen bei 11,2 % liegt (Stand: 2021). Diese Zahlen verdeutlichen die gläserne Decke in der Politik, die Frauen oft daran hindert, in höhere Entscheidungsebenen vorzudringen, und unterstreichen die Notwendigkeit von verbindlichen Quoten und strukturellen Verbesserungen.

Der Landkreis Weilheim-Schongau wird im Frühjahr 2026 eine/n neue/n Landrat/Landrätin wählen. Andrea Jochner-Weiß wird ihr Team, das sie als zweite Familie betrachtet, vermissen, aber ihre Entscheidung, sich zurückzuziehen, sieht sie als einen Schritt, um neuen Herausforderungen offen gegenüberzutreten. Ihre Amtszeit wird als eine Zeit des Wandels und der Entwicklung im Landkreis in Erinnerung bleiben, während sie gleichzeitig den Weg für zukünftige Generationen in der Politik ebnet.