In Bremen wird die Schulverpflegung auf die nächste Stufe gehoben. Die Stadt hat sich verpflichtet, die Gemeinschaftsverpflegung schrittweise auf 100 Prozent Bioqualität umzustellen. Diese Initiative soll nicht nur die Ernährung der Schüler verbessern, sondern auch die Herausforderungen der Caterer in den Vordergrund rücken. Doch die Kritik von Schülern und Eltern ist laut und klar: Unzureichende Mengen der Hauptkomponenten, Temperaturprobleme bei den Mahlzeiten und lange Wartezeiten an der Essensausgabe sind nur einige der angesprochenen Punkte. Um diese Kritik zu dokumentieren, hat der Zentralelternbeirat einen Beschwerdebogen erstellt. An rund 70 Schulen wird bereits ausschließlich Bio-Essen angeboten.
Während die meisten Schulen ihr Mittagessen im Cook-&-Chill-Verfahren zubereiten, merkt man den Kostenanstieg aufgrund steigender Lebensmittelpreise sowie höherer Personal- und Betriebskosten an. Vor allem frisch gekochtes Essen ist etwa doppelt so teuer. An 98 Schulen wird das Mittagessen von Caterern bereitgestellt, während 9 weitere von Schulvereinen beliefert werden. Die Verträge mit den Caterern haben in der Regel eine Laufzeit von fünf Jahren, um verlässliche Kalkulationen zu ermöglichen, wobei vorzeitige Kündigungen nur bei schwerwiegenden Vertragsverstößen möglich sind.
Qualitätsstandards und Empfehlungen
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat einen Qualitätsstandard entwickelt, der darauf abzielt, ein gesundes und nachhaltiges Speisenangebot zu gewährleisten. Dieser Standard wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) erstellt und 2023 aktualisiert. Ziel ist es, die Verantwortlichen für Schulverpflegung bei der Umsetzung eines bedarfsgerechten und ausgewogenen Angebots zu unterstützen. Studien zeigen, dass Kinder und Jugendliche in Deutschland zu viel Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse konsumieren, was zu Übergewicht beiträgt. Eine gesundheitsfördernde Verpflegung spielt daher eine zentrale Rolle in der Prävention von Krankheiten wie Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2.
Aktuell haben 69 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Alter von 6-17 Jahren Zugang zu warmem Schulessen. Ein gesundes und schmackhaftes Verpflegungsangebot ist nicht nur für die körperliche, sondern auch für die geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen entscheidend. Die Essumgebung und -atmosphäre tragen ebenfalls zu einem positiven sozialen Wohlbefinden und zur Leistungsfähigkeit bei. Schulen, die bestimmte Kriterien erfüllen, können ihr Verpflegungsangebot durch eine DGE-Zertifizierung auszeichnen lassen. Die Vernetzungsstellen Schulverpflegung unterstützen dabei, Netzwerke zwischen Behörden, Schulträgern, Lehrkräften und Eltern zu schaffen.
Der Weg zu besserem Essen in Bremer Schulen
Der Aktionsplan 2025 sieht vor, dass Schulmensen gesunde und nachhaltige Ernährung anbieten. Künftig soll das Schulessen stärker an den DGE-Standards orientiert werden. Die Gestaltung der Verpflegung entlang der gesamten Prozesskette – von der Planung über den Einkauf bis hin zur Zubereitung und Ausgabe – ist dabei von zentraler Bedeutung. Jede Verbesserung der Verpflegungsqualität kommt letztlich den Kindern und Jugendlichen zugute. Ältere Schüler neigen dazu, das Schulgelände zu verlassen, um alternative Essensangebote zu nutzen, was die Notwendigkeit unterstreicht, ein attraktives und qualitativ hochwertiges Schulessen anzubieten.
In Bremen ist der Weg zur 100-prozentigen Bio-Schulverpflegung ein ambitioniertes Ziel. Es bleibt abzuwarten, wie die Stadt und die involvierten Caterer die Herausforderungen meistern und ob sich die Qualität des Schulessens nachhaltig verbessern lässt. Die Rückmeldungen von Schülern und Eltern werden dabei entscheidend sein, um den Fortschritt zu messen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.
Für weitere Informationen zu den DGE-Qualitätsstandards können Sie hier klicken.