In der Hansestadt Bremerhaven tut sich Heißes in der Notfallversorgung – hier wird seit dem 5. Juli 2025 eine innovative digitale Schnittstelle getestet. Diese Maßnahme, die in enger Zusammenarbeit zwischen der Feuerwehr Bremerhaven und der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen entwickelt wurde, hat das Ziel, fehlgeleitete Notrufe automatisch an die richtige Stelle weiterzuleiten. Der neuartige Ansatz soll den Austausch von Patientendaten zwischen der Notrufnummer 112, die für lebensbedrohliche Situationen zuständig ist, und der ärztlichen Servicenummer 116117, die für nicht zeitkritische, aber dringende ärztliche Hilfe steht, ermöglichen. Oldenburger Online Zeitung berichtet, dass ein Anruf bei 116117 sich kürzlich als echter Notfall herausstellte und erfolgreich an die Rettungsleitstelle weitergeleitet wurde.
Die etablierte digitale Schnittstelle basiert auf der UCRI-Schnittstelle und dem TI-Messenger, auch TIM genannt. Diese moderne Technologie könnte nicht nur Bremerhaven zugutekommen, sondern auch als Pilotprojekt für andere Bundesländer fungieren. „Wir haben hier ein bürgernahes und zukunftsfähiges System, das das Potenzial hat, die Notfallversorgung umfangreich zu verbessern“, lobt Bremerhavens Stadtrat Peter Skusa. Auch Bernhard Rochell, Vorstandsvorsitzender der KV Bremen, sieht in diesem Projekt einen vielversprechenden Wegweiser für die Notfallreform.
Testphase und Technologie
Die Testphase wurde gestartet, um die technische Verlässlichkeit und die Verfahrensweise zu prüfen. Erfreulicherweise wurden bereits mehrfach Nicht-Notfälle erfolgreich an die Servicestelle des Bereitschaftsdienstes überstellt. Das zeigt, dass die Lösung nicht nur einen theoretischen Ansatz darstellt, sondern bereits in der Praxis funktional ist. Die enge Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, KV Bremen und dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hebt die Bedeutung dieser Initiative hervor und könnte zur bundesweiten Vernetzung der Notfallversorgung beitragen, wie Presseportal berichtet.
In der Welt der Notfallmedizin ist Modernisierung ein entscheidender Faktor. Laut dem Fraunhofer IESE ist ein effizienter und schneller Zugang zur notfallmedizinischen Versorgung fundamental, besonders in kritischen Situationen wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Bei Verzögerungen in der Behandlung kann die Sterblichkeit rapide steigen, und die Notwendigkeit, in kurzer Zeit die richtige Behandlung zu bekommen, kann über Leben und Tod entscheiden. Ein Beispiel zeigt, dass die Gesamtdauer von Notruf bis zur Übergabe im Krankenhaus oft weit über den gewünschten 60 Minuten liegt, was in etwa zwei Dritteln der Fälle nicht eingehalten wird. Hier kommt die Digitalisierung ins Spiel: Sie hat das Potenzial, Abläufe zu optimieren, sei es durch Smartwatches, digitale Übermittlungen oder sogar KI-gestützte Systeme.
Auf dem Weg zur Zukunft
Der Einsatz von modernen Technologien in der Notfallmedizin ist mehr als nur ein Trend – er ist eine Notwendigkeit. Das Pilotprojekt in Bremerhaven könnte der erste Schritt in eine neue Ära der vernetzten Notfallversorgung sein, heißt es auch in den Analysen von Fraunhofer IESE. Dennoch stehen den Erneuerungen Herausforderungen gegenüber, wie die Kleinteiligkeit der Strukturen im Rettungsdienst und rechtliche Vorgaben, die den Einsatz automatisierter Systeme und Videonotrufe einschränken. Der Erfolg des Testprojektes könnte jedoch den Weg für eine umfassendere Anwendung solcher Technologien in anderen Regionen ebnen.
Insgesamt zeigt Bremerhaven, wie wichtig der Schritt zur Digitalisierung im Gesundheitswesen ist. Die rasante Entwicklung dieser neuen Schnittstelle könnte bald in vielen anderen Städten Schule machen und so die Notfallversorgung unserer Bevölkerung entscheidend verbessern.