Am 17. Februar 2026 wurde das Urteil gegen einen 35-jährigen Tanzlehrer aus Bremerhaven verkündet, der wegen sexuellen Missbrauchs von Jungen in seiner Tanzschule verurteilt wurde. Das Landgericht Bremen sprach eine Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten aus. Zwischen 2009 und 2022 soll der Angeklagte insgesamt 39 Missbrauchstaten begangen haben.
Die Vorwürfe umfassen sexuelle Handlungen an den Jungen sowie an sich selbst. Interessanterweise wurde im Prozess keine genaue Anzahl der Opfer benannt. Jedoch sprach die Staatsanwaltschaft von vier minderjährigen Opfern. Der Fall nahm seinen Anfang, als der Profitänzer und TikTok-Star „Avemoves“ im April 2025 in einem YouTube-Video über den mutmaßlichen jahrelangen Missbrauch durch seinen Tanzlehrer berichtete. Avemoves, der zu diesem Zeitpunkt erst 10 Jahre alt war, hatte in der Vergangenheit mit Ängsten und Depressionen zu kämpfen, die mit den Erlebnissen in der Tanzschule in Verbindung gebracht werden können.
Prozessverlauf und Geheimhaltung
Der Prozess begann im Dezember 2025, und der Angeklagte befindet sich seit April 2025 in Untersuchungshaft. Alle Verhandlungstage fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, nachdem sowohl die Verteidigung als auch die mutmaßlichen Opfer einen Antrag auf Geheimhaltung gestellt hatten. Das Gericht entschied, um die Interessen der minderjährigen Opfer zu schützen, und die Urteilsbegründung wurde ebenfalls hinter verschlossenen Türen präsentiert. Nur die Nennung des Strafmaßes fand in einem öffentlichen Rahmen statt.
Die Schwere der Vorwürfe und die Anzahl der Taten lassen auf ein systematisches Vorgehen des Angeklagten schließen. Es ist erwähnenswert, dass der Angeklagte während der meisten seiner Taten selbst im Alter zwischen 18 und 21 Jahren war. Dies wirft Fragen zur Verantwortung und zur Aufsicht in der Institution auf, in der der Missbrauch stattfand.
Psychologische Folgen von sexuellem Missbrauch
Die psychologischen Folgen von sexuellem Missbrauch in der Kindheit sind gravierend. Laut verschiedenen Urteilen, wie etwa dem des SG-Fulda, kann dies zu dissoziativen Störungen und posttraumatischen Syndromen führen. Solche Diagnosen sind häufig Indizien für gewalterfahrungen in der Kindheit und können die Glaubhaftmachung der Aussagen der Opfer erschweren. Verzögerte Erinnerungen sind in diesen Fällen nicht selten und sollten nicht als Zeichen für fehlende Glaubwürdigkeit gewertet werden.
Der Fall des Tanzlehrers in Bremerhaven verdeutlicht die Schwierigkeiten, die mit der Aufarbeitung sexueller Missbrauchsfälle verbunden sind. Es bleibt zu hoffen, dass die betroffenen Opfer die notwendige Unterstützung erhalten, um die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Die Gesellschaft steht in der Verantwortung, solche Vorfälle ernst zu nehmen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen in ähnlichen Einrichtungen zu gewährleisten.