In Köln brodelt es, und zwar nicht nur in den Töpfen der örtlichen Gastronomie. Im Stadtteil Ottensen haben es sich die Bewohner eines typischen Gründerzeithauses zur Aufgabe gemacht, gegen die geplanten Mieterhöhungen zu kämpfen. Mit einem neuen Eigentümer, der im Jahr 2023 die Immobilie erwarb, sind die Zeiten für die 21 Mietparteien alles andere als paradiesisch. Jene schildern einst ein harmonisches Zusammenleben, das nun durch Streitereien und Unsicherheiten getrübt wird. Die Mieten lagen bislang bei etwa 4 Euro pro Quadratmeter – ein echter Preisfuchs-Deal.
Der neue Eigentümer, ein Investor aus Hamburg, plant große Veränderungen: Mit einer Sanierung und dem Ausbau des Dachgeschosses zu einem Boardinghaus will er das Gebäude aufpeppen. Eine Baugenehmigung für die Aufstockung liegt bereits vor, und die geschätzten Sanierungskosten von rund fünf Millionen Euro sollen laut den Plänen durch drastische Mieterhöhungen ausgeglichen werden. So wurden den Mietern Mieten von bis zu 14,20 Euro pro Quadratmeter angeboten – eine Deutlichste Erhöhung, die viele der selbstbewussten Mietparteien nicht akzeptieren wollen. Acht von 21 Mietern haben sich geweigert, die angestrebte Modernisierungsvereinbarung zu unterzeichnen.
Betriebskosten im Fokus
Die Verhandlungen zwischen Eigentümer und Mietern stagnieren, und die Atmosphäre im Gebäude ist angespannt. Rechtsanwalt Martin Klingner, der sieben Mieter vertritt, wirft dem Vermieter sogar gesetzeswidriges Verhalten vor. „Die Mieter haben Rechte“, betont er, und verweist auf geltende Regelungen beim Eigentümerwechsel, die im Rahmen des Mietrechtschranks wie ein roter Faden durch die Thematik laufen. Laut der Plattform ImmobilienScout24 sind Mieter durch das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) in solchen Fällen durchaus geschützt und können sich gegen unrechtmäßige Mieterhöhungen wehren.
In puncto Mieterhöhungen hat der Vermieter zuletzt damit auf sich aufmerksam gemacht, dass er tief in die Trickkiste greift. Während er im Gespräch Mieten von 10 Euro pro Quadratmeter und in Härtefällen nur 8,50 Euro zusicherte, ist unklar, ob diese Angebote wirksam sind, da die rechtlichen Streitereien noch in vollem Gange sind. Auch wurden bereits Kündigungen und Räumungsklagen eingebracht, die jedoch vor Gericht derzeit verhandelt werden. Zwei Räumungsklagen wurden bereits abgewiesen, aber die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.
Verunsicherung unter den Bewohnern
Die Verunsicherung unter den Bewohnern ist spürbar. Es sind merkwürdige Vorfälle im Haus aufgetreten – aufgebrochene Dachböden und sogar das Auffinden von Urin auf Fußmatten sorgen für zusätzliche Unruhe. Beide Seiten haben mittlerweile die Polizei informiert, doch Hinweise auf einen Zusammenhang mit dem Eigentümerwechsel gibt es nicht. Die Eigentümerseite zeigt sich zwar empfindlich und bereit zu einer außergerichtlichen Einigung, droht aber auch gleichzeitig mit einem Abbruch des Hauses.
Eine klare Meinung haben die Bewohner zudem zu zwei aktuellen Themen: Mit einer Unterschriftenliste wandten sie sich bereits an den Bürgermeister. Zudem sorgt das Konzept „In Zukunft Wohnen“ für Gesprächsstoff. In diesem Rahmen sind sechs neue Gebäude mit insgesamt 107 Wohnungen für geflüchtete und wohnungslose Menschen geplant. Die Bürgeranhörung zu Hamburgs erstem verkehrsberuhigten Stadtteilkern stellt außerdem Fußgängerschutz in den Vordergrund, was die Anwohner erfreut.
Wie sich die Situation letztendlich entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Das Zusammenspiel zwischen Eigentum und Mieterrechten sorgt jedenfalls nicht nur in Ottensen für Aufregung und wirft Fragen nach der Zukunft des Wohnens in Köln auf. Bis dahin bleibt es den betroffenen Mietern überlassen, den in der Nachbarschaft entstehenden neuen Herausforderungen in Schach zu halten.





