In Hessen tut sich was im Bereich Geothermie: Der Oberrheingraben zeigt vielversprechende Perspektiven für die Nutzung von Erdwärme. Mit einem eigens dafür umgebauten Spezialflugzeug werden Messungen durchgeführt, um das Potenzial dieser nachhaltigen Energiequelle besser auszuschöpfen. Laut Tagesschau erfasst das zweimotorige Propellerflugzeug vom Typ Basler T67 Veränderungen im Gravitations- und Magnetfeld. Ziel ist, ein digitales 3D-Modell des Untergrunds zu erstellen, um Energie- und Rohstoffprojekte in der Region voranzutreiben.
Die Messflüge, die in Höhenlagen zwischen 300 und 600 Metern stattfinden, begannen zwar schon, waren aber aufgrund von ungünstigen Witterungsbedingungen unterbrochen worden. Man wollte ursprünglich bereits im Dezember 2025 durchstarten. Aktuell finden die Flüge von Bad Nauheim bis Lampertheim nachts zwischen 23 Uhr und 5 Uhr statt. So wird sichergestellt, dass der Verkehr am Frankfurter Flughafen nicht gestört wird. Die geplanten Messungen sollen bis Ende Mai 2026 dauern, und die Auswertung der gesammelten Daten wird einige Monate in Anspruch nehmen.
Ein Umweltfreundliches Lithiumprojekt
Der Oberrheingraben könnte nicht nur als Energiequelle von Bedeutung sein, sondern auch als Rohstoffquelle für Lithium. Dies ist besonders relevant, da Lithium für die Herstellung von Batterien und weiteren innovativen Technologien hoch im Kurs steht. Ein neues Verfahren zur direkten Lithiumgewinnung aus geothermalen Solen wird derzeit im Rahmen des Projektes „ThermIon“ von Fraunhofer ISE und mehreren Partnern entwickelt.
Ein Augenmerk wird dabei auf eine umweltfreundliche und wirtschaftlich attraktive Extraktionstechnologie gelegt. Das Projektteam betrachtet die gesamte Prozesskette – angefangen bei der Vorbehandlung der Sole, bis hin zur Kristallisation von Lithiumkarbonat oder Lithiumhydroxid und der Rückführung der Sole. Dr. Joachim Koschikowski, Projektleiter, ist optimistisch hinsichtlich der Realisierbarkeit im größeren Maßstab. Dieser Fortschritt könnte erheblich zur Rohstoffversorgung in Europa aus heimischen Quellen beitragen und könnte auf 13 geplante Geothermie-Projekte im Oberrheingraben übertragbar sein.
Zudem beschäftigt man sich intensiv mit der Herausforderung, Lithium selektiv zu extrahieren, ohne das geochemische Gleichgewicht zu stören. Das Verfahren, das hierbei zur Anwendung kommt – die Direct-Lithium-Extraction (DLE) – soll unter hohen Temperaturen und Drücken sowie über längere Zeiträume zuverlässig funktionieren. Erste Laborversuche haben bereits stattgefunden, und das Forschungsteam zeigt sich zuversichtlich.
Ein Blick in die Zukunft
Die Geothermie-Projekte im Oberrheingraben könnten fortan nicht nur einen Beitrag zur regionalen und unabhängigen Energieversorgung leisten, sondern auch eine nachhaltige Lösung zur Rohstoffgewinnung bieten. Geplant ist die Errichtung einer Konversionsanlage für Lithiumgewinnung bis 2029 im Industriepark Frankfurt-Höchst, wo dieses innovative Verfahren weiter ausgebaut werden soll. In einer Zeit, in der nachhaltige Energiequellen und ressourcenschonende Technologien mehr denn je gefragt sind, zeigt sich der Oberrheingraben als ein Ort der Möglichkeiten.
Die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen scheinen günstig, und ein mutiger Schritt in die Richtung der erneuerbaren Energien und der heimischen Rohstoffgewinnung steht bevor. Die Vorfreude auf die ersten Ergebnisse der Messungen und die Entwicklungen im Lithiumprojekt ist spürbar. Ein gutes Händchen haben die Verantwortlichen sicherlich, wenn sie diese spannenden Projekte weiter vorantreiben.