In Hessen wird derzeit ein spannendes Projekt zur Erschließung von Geothermie-Potenzialen im Oberrheingraben vorangetrieben. Dank der vielversprechenden geologischen Gegebenheiten könnte diese Form der Energiegewinnung einen wichtigen Beitrag zur regionalen und unabhängigen Energieversorgung leisten. Ein Spezialflugzeug, das mit einem Gradiometer ausgestattet ist, erfasst dabei Veränderungen im Gravitations- und Magnetfeld, um ein digitales 3D-Modell des Untergrunds zu erstellen. Diese innovativen Messflüge finden zwischen Bad Nauheim und Lampertheim in Höhenlagen von 300 bis 600 Metern statt und sollen bis Ende Mai 2026 durchgeführt werden. Die nächtlichen Flüge, die zwischen 23 Uhr und 5 Uhr stattfinden, sind so geplant, dass der Verkehr des Frankfurter Flughafens nicht gestört wird. Ursprünglich für Dezember 2025 angesetzt, mussten die Flüge aufgrund ungünstiger Witterungsbedingungen unterbrochen werden. Die Messungen zielen darauf ab, Veränderungen in der Dichteverteilung der Erde zu identifizieren, um Geothermie-Potenziale zu erkunden und gleichzeitig Daten für die nachhaltige Lithiumgewinnung zu sammeln. Diese Daten sollen auch zur Errichtung einer Konversionsanlage für Lithiumgewinnung im Industriepark Frankfurt-Höchst bis 2029 dienen. Die Messungen sind dabei passiv und strahlungsfrei, sodass sie unbedenklich für Mensch, Tier und Umwelt sind. Erste Ergebnisse werden im Laufe des Jahres 2026 erwartet und die Auswertung der gesammelten Daten könnte mehrere Monate in Anspruch nehmen. Mehr Informationen zu diesem Projekt finden Sie in einem Artikel von Tagesschau.

Neue Verfahren zur Lithiumgewinnung

Parallel zu den Messflügen wird an der umweltfreundlichen und wirtschaftlich attraktiven Extraktionstechnologie für Lithium aus Thermalwasser gearbeitet. Das Projekt „ThermIon“ zielt darauf ab, eine marktreife Technologie zu entwickeln, die die gesamte Prozesskette berücksichtigt: von der Vorbehandlung der Sole über die Lithiumextraktion bis hin zur Kristallisation von Lithiumkarbonat oder Lithiumhydroxid, einschließlich der Rückführung der Sole. Inzwischen hat das Forschungsteam die Lithiumressourcen in den geothermalen Grundwasserleitern des Oberrheingrabens hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit bewertet. Eine der größten Herausforderungen besteht darin, eine selektive Lithiumextraktion zu erreichen, ohne das geochemische Gleichgewicht zu stören oder andere Inhaltsstoffe wie Silikate und Kalzite auszufallen. Hierbei wird die Direct-Lithium-Extraction-(DLE)-Technologie weiterentwickelt, die hochselektiv nur Lithium extrahiert. Erste Laborversuche mit der Lithium-Ionen-Pumpe wurden bereits durchgeführt, um eine konzentrierte Lithiumchlorid-Lösung mit hoher Reinheit zu gewinnen. Das Projekt wird vom Fraunhofer ISE geleitet und hat Partner wie die BWG Geochemische Beratung GmbH, Deutsche ErdWärme GmbH und mehrere weitere Institutionen. Die Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) beläuft sich auf rund 2,6 Millionen Euro über drei Jahre. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Artikel von Fraunhofer ISE.

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Einblick in die Zukunft der Ressourcengewinnung

Die Entwicklungen im Oberrheingraben könnten nicht nur die Energieversorgung der Region revolutionieren, sondern auch die Rohstoffversorgung in Europa nachhaltig verbessern. Mit insgesamt 13 geplanten Geothermie-Projekten, deren Ergebnisse übertragbar sind, könnte die Region zu einem Vorreiter in der Nutzung von heimischen Ressourcen werden. Die Kombination aus Geothermie und Lithiumgewinnung ist ein vielversprechender Ansatz, der sowohl ökologisch als auch ökonomisch von Bedeutung ist. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Technologie weiterentwickelt und welche Auswirkungen sie auf die regionale Wirtschaft haben wird.