In Hessen stehen die Flüsse derzeit unter starkem Druck. Regen, Schnee und Tauwetter haben dafür gesorgt, dass die Pegelstände in vielen Regionen erheblich angestiegen sind. Wie das Land Hessen berichtet, wurden an verschiedenen Flusspegeln bereits Hochwasser-Meldestufen überschritten. Dies führt in einigen Gebieten zu überfluteten Straßen und Verkehrsbehinderungen. Besonders betroffen sind die Gersprenz bei Groß-Bieberau und die Kinzig, die bereits einige Bäume und Zäune erreicht hat und sich in einen breiten Fluss verwandelt hat.

Die milde Luft vom Atlantik hat nicht nur die Temperaturen steigen lassen, sondern auch die Schneeschmelze beschleunigt. So fielen von Sonntag auf Montag in 24 Stunden zwischen fünf und zehn Litern Niederschlag pro Quadratmeter, wobei an einer Messstation im Vogelsberg sogar 38 Liter registriert wurden. In der Nacht zum Montag erreichten 37 Pegel in Hessen die Meldestufe 1, während die Gersprenz kurzzeitig die Meldestufe 2 überschritt und am Montagnachmittag an Meldestufe 3 kratzte. Am Montag sank der Pegel jedoch wieder minimal, und gegen 18 Uhr hatten laut HLNUG noch 21 Pegel die Meldestufe 1 überschritten. Trotz der Aussicht auf weitere Schauer, jedoch mit geringerer Niederschlagsmenge, wird erwartet, dass die Wasserstände der kleineren Flüsse wieder zurückgehen, während sich bei größeren Flussläufen die Hochwasserwelle noch aufbaut.

Hochwasserwarnungen in anderen Bundesländern

Die Hochwassergefahr beschränkt sich nicht nur auf Hessen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat auch in Sachsen-Anhalt, Bayern, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern vor Hochwasser gewarnt. In Sachsen-Anhalt sind die Flüsse Ilse, Bode, Jeetze und Dumme betroffen, wo hohe Wasserstände erwartet werden. In Bayern sind die Städte Coburg, Kronach und Lichtenfels besonders betroffen, und es gibt bereits Überschwemmungen in bebauten Gebieten. Auch in Niedersachsen steigen die Flusspegel, insbesondere im Harz und im Norden, wo erste Meldestufen erreicht wurden. In Mecklenburg-Vorpommern sind einige Straßen überflutet, was zu Verkehrsbehinderungen führt.

Für Autofahrende in Hochwassergebieten ist besondere Vorsicht geboten. Es wird empfohlen, vor Fahrtantritt die Straßen- und Wettersituation zu überprüfen. Das Parken in Tiefgaragen und das Fahren durch überflutete Unterführungen sollte vermieden werden, da die Gefahr von Aquaplaning insbesondere in Senken und Kurven steigt.

Der Hochwasseratlas und seine Bedeutung

Um die Hochwasserlage besser zu verstehen und vorherzusagen, spielen verschiedene Daten eine wesentliche Rolle. Der Hochwasseratlas des BKG (Bundesamt für Kartographie und Geodäsie) verbindet aktuelle Durchflüsse der Fließgewässer mit Niederschlagswerten und Vorhersagen für die nächsten Tage. Diese kostenfreie Webanwendung richtet sich nicht nur an Behörden, sondern auch an die Öffentlichkeit und visualisiert hochwasserrelevante Datensätze auf einer digitalen Karte. Der Hochwasseratlas ersetzt jedoch keine lokalen Warnmeldungen der zuständigen Behörden, deren Verantwortung für die Bereitstellung von Hochwasserdaten und Warnungen weiterhin bleibt.

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie wichtig es ist, in Zeiten zunehmender Wetterextreme, die durch den Klimawandel begünstigt werden, auf fundierte Daten zurückzugreifen. Zunehmend heißere Sommer in Deutschland führen zu intensiveren Niederschlägen, die zwar seltener, aber umso heftiger auftreten können. Diese Wetterlagen können gravierende Schäden anrichten, wie vergangene Hochwasserereignisse eindrucksvoll belegen. Daher ist es unerlässlich, sowohl im Alltag als auch bei der Planung von Infrastrukturmaßnahmen die Risiken von Hochwasserereignissen zu berücksichtigen.

Für weitere Informationen zu aktuellen Hochwasserlagen in Hessen und anderen Bundesländern können Sie die Berichte auf hessenschau.de und adac.de nachlesen.