In Darmstadt tut sich was im Martinsviertel! Die Stadt hat den Plan zur Umwandlung der Lichtenbergstraße in ein autoarmes Quartier auf den Weg gebracht, inspiriert von den beliebten „Superblocks“ in Barcelona. Dabei handelt es sich um das erste Vorhaben dieser Art in Hessen. Zwar wurde die ursprüngliche Idee erheblich abgespeckt, doch die Initiative „heiner*blocks“ hat mit 2000 Unterschriften für das Projekt schon viele Unterstützer mobilisiert. Der erste Heinerblock wird ebenfalls im gründerzeitlichen Martinsviertel entstehen.
Ein Blick auf den ursprünglichen Plan gibt Aufschluss: Die Stadt wollte einen einjährigen Verkehrsversuch mit wissenschaftlicher Begleitung durchführen. Nun ist die wissenschaftliche Begleitung jedoch gestrichen, was bei manchen Bürger:innen auf wenig Begeisterung stößt. Die Stufen zur Umsetzung bestehen aus drei Phasen, wobei die erste bereits 2025 mit „Kleinstmaßnahmen“ startet, um die finanzielle Belastung zu berücksichtigen. So ist also noch lange nicht alles Gold, was glänzt – Putzi-Einbahnstraßenregelungen, einseitiges Parken und neue Parkmöglichkeiten sind das Hauptaugenmerk der ersten Stufe.
Ein bisschen weniger „Super“ im Heinerblock
„Superblock“ war einmal – jetzt nennt sich das Projekt Heinerblock. Und während in Barcelona bis zu neun ganze Häuserblöcke zusammengefasst werden, ist Darmstadts Ansatz wesentlich zurückhaltender. Lediglich eine Straße am Lichtenbergplatz wird für den Autoverkehr gesperrt, was viele Anwohner als unzureichend empfinden. Einige begrüßen zwar die Schritte zu einer verkehrsberuhigten Zone, doch die Initiative „Heinerblocks“ übt heftige Kritik – die Pläne seien nicht ambitioniert genug und würden grundlegende Änderungen vermissen lassen.
Die Stadt hat auf diese Kritik reagiert und die Umsetzung diverser Maßnahmen, darunter Carsharing-Angebote und sicherere Fahrradabstellmöglichkeiten, beschlossen. Auch die 97 ordnungswidrigen Parkflächen werden nun auf 48 zulässige Parkplätze umgewandelt. Der Fokus liegt dabei klar auf der Verbesserung der Parksituation, da Gehwege häufig durch parkende Autos blockiert sind. Diese Neugestaltung soll nicht zuletzt auch die Mobilität in der Stadt fördern und den Bedürfnissen der Bürger:innen Rechnung tragen, wie Mobilitätsdezernent Paul Wandrey betont.
Finanzierung bleibt ein ständiges Hindernis
Ein zentrales Problem bleibt jedoch die Finanzierung. Im Dezember 2023 wurde das Projekt aufgrund der angespannter finanziellen Lage gestoppt, was die Stadtverordneten nun dazu zwingt, schrittweise vorzugehen. Die zweite und dritte Phase sind für 2026 und 2027 eingeplant, doch der finanzielle Spielraum wird entscheidend sein. Es bleibt ungewiss, ob diese weiteren Schritte wie geplant umgesetzt werden können.
Die Situation in Darmstadt reflektiert ein übergreifendes Thema in Städten Europas: Die Umnutzung des Straßenraums für Mobilität, Gesundheitsvorsorge und Klimafolgenanpassung ist ein brennendes Thema. In einem europäischen Städtenetzwerk, das auch Akteure aus Amsterdam und Barcelona umfasst, wird das Konzept der Superblocks eingehend diskutiert. Die Erfahrung zeigt, dass es einen stabilen politischen Willen sowie einen breiten gesellschaftlichen Konsens braucht, um solche Transformationsprozesse voranzutreiben.
Die ersten Schritte hin zu mehr Verkehrssicherheit und einem insgesamt attraktiveren Wohnumfeld sind gemacht, die Bürger:innen sind aufgefordert, ihre Meinungen einzubringen. Denn nur gemeinsam kann man sich für eine nachhaltige Zukunft starkmachen. Was in Darmstadt kommt, könnte in anderen Städten bald Schule machen – sofern man sich den Herausforderungen mutig stellt.
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