In Hessen hat sich in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung vollzogen: Privatpersonen können Falschparker online anzeigen, und das mit großem Erfolg. Das Internet-Portal, das seit April 2024 in Frankfurt zur Verfügung steht, hat bereits fast 77.000 Anzeigen generiert. Bis Oktober 2025 wurden über 49.500 dieser Anzeigen online eingereicht, während zusätzlich 7.280 Anzeigen per Formular und Post an die Stadt gesendet wurden. Die Bearbeitungsquote für diese Anzeigen beträgt stolze 100 Prozent, was zeigt, dass das Ordnungsamt jede eingereichte Anzeige ernst nimmt und bearbeitet. Frankfurt erzielte 2025 durch diese neuen Maßnahmen rund eine Million Euro Einnahmen aus Privatanzeigen.
Die Einführung des Online-Portals war eine direkte Reaktion auf die Kritik an der vorherigen Handhabung, bei der das Ordnungsamt keine Anzeigen von Privatpersonen bearbeitete, da der Aufwand als zu hoch eingeschätzt wurde. Die neue digitale Lösung erleichtert die Anzeige von Falschparkern erheblich, da die Bürger alle relevanten Daten angeben müssen, was die Bearbeitung durch das Ordnungsamt vereinfacht. Auch die Verwertbarkeit der Anzeigen hat sich verbessert: Selten stimmen die Bilder nicht mit dem Tatfahrzeug überein, und mehrfaches Melden eines länger anhaltenden Parkverstoßes wird herausgefiltert.
Die Lage in den Nachbarstädten
Frankfurt ist jedoch nicht die einzige Stadt, die diesen Weg geht. Auch Offenbach und Bad Homburg haben Internet-Portale zur Anzeige von Falschparkern eingerichtet. In Offenbach wurden 2025 online 18.438 Anzeigen eingereicht, jedoch waren nur etwa 30% verwertbar, was auf einen hohen Bearbeitungsaufwand hinweist, da die Angaben manuell überprüft werden müssen. Bad Homburg zählte im gleichen Jahr rund 2.000 private Online-Anzeigen, von denen 29 Prozent nicht verwertbar waren. Im Gegensatz zu Frankfurt, wo die Anzeigen in hoher Qualität bearbeitet werden, zeigen die Nachbarstädte, dass die Implementierung solcher Systeme vielschichtig ist und nicht überall reibungslos funktioniert.
Im Herbst 2026 sollen in Frankfurt zudem weitere Tatbestände in das Portal integriert werden, um das Angebot weiter zu verbessern. Die Effizienz und die hohe Qualität der Bearbeitung in Frankfurt könnten für andere Städte ein Vorbild sein, wenn es darum geht, die Bürger aktiv in die Verkehrsüberwachung einzubeziehen.
Ein gespaltenes Bild der Bürgerbeteiligung
Die Bürgerbeteiligung in der Falschparkeranzeige wird in Deutschland unterschiedlich wahrgenommen. Während Städte wie Köln von Mehreinnahmen in Höhe von fast 400.000 Euro berichten und die Anzahl der Meldungen in Aachen innerhalb eines Jahres auf das Dreifache gestiegen ist, gibt es auch kritische Stimmen. So äußern einige Städte, wie Mainz, Bedenken gegenüber den „Privat-Sheriffs“ und befürchten Falschmeldungen. Der Oberbürgermeister von Wiesbaden, Sven Gerich, hat zudem Bedenken geäußert, dass staatliche Aufgaben auf die Bürger abgewälzt werden, was rechtliche und praktische Fragen aufwirft.
Rechtlich handelt es sich bei diesen Anzeigen um Fremdanzeigen für Ordnungswidrigkeiten, die bestimmte Mindestkriterien erfüllen müssen, darunter Name, Anschrift, genaue Beschreibung des Verstoßes und ein Foto. Datenschutzfragen stehen ebenfalls im Raum, insbesondere wenn es um die Weiterleitung von Fotos mit erkennbaren Nummernschildern geht. Alternativen zur Förderung von Fremdanzeigen könnten Apps sein, die den Bürgern Vorteile bieten, wie etwa die Parkplatzsuche über Parkclouds.
Insgesamt zeigt die Entwicklung in Hessen, dass die Digitalisierung der Falschparkeranzeige sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt. Die Erfahrungen in Frankfurt könnten als Blaupause für andere Städte dienen, die ähnliche Systeme implementieren wollen. Doch die Diskussion über die Rolle der Bürger in der Verkehrsüberwachung ist damit längst nicht abgeschlossen.