Ismail Ertuğ hat vor wenigen Wochen das Amt des Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland übernommen. Der 5. Dezember 1975 in Amberg geborene Manager bringt eine Fülle an Erfahrungen mit, die er in seiner Zeit als Politiker der SPD und als Mitglied des Europäischen Parlaments gesammelt hat. In seiner neuen Rolle wird er nicht nur die Interessen der Deutschen Bahn in diesen Bundesländern vertreten, sondern auch auf die Herausforderungen reagieren, die der Schienenverkehr mit sich bringt.
Besonders gravierend war der Vorfall am 20. Januar, als eine Lokomotive bei Hattersheim entgleiste und gegen einen Oberleitungsmast prallte. Dieser Vorfall hatte zur Folge, dass der Eisenbahnbetrieb für mehrere Tage beeinträchtigt wurde. Auch die Sicherheit des Personals ist ein zentrales Thema, vor allem nach dem tödlichen Angriff eines Fahrgastes auf einen Zugbegleiter in Landstuhl Anfang Februar. Ertuğ steht in Kontakt mit der Familie des verstorbenen Zugbegleiters und zeigt sich solidarisch in dieser schwierigen Zeit.
Ein Blick auf die Karriere von Ismail Ertuğ
Ertuğ, der bis 2023 als „Beauftragter für nachhaltige Mobilität Europa“ bei der Deutschen Bahn tätig war, hat in seiner politischen Karriere zahlreiche wichtige Positionen innegehabt. Von 2009 bis 2023 war er Mitglied des Europäischen Parlaments, wo er unter anderem im Ausschuss für Verkehr und Fremdenverkehr tätig war. Seine Eltern verließen 1972 die Türkei, und Ertuğ selbst hat eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert, bevor er sich in der strategischen Vertriebsberatung der AOK Bayern engagierte. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.
Mit der Vision, Hessen als wichtiges Zentrum des Eisenbahnnetzes zu fördern, hofft Ertuğ auf eine rege Bautätigkeit und Generalsanierungen, die im Juli beginnen sollen. Dies ist besonders wichtig, da Hessen nach Nordrhein-Westfalen das älteste Bahnnetz Deutschlands besitzt. Er sieht die Herausforderungen, die auf ihn zukommen, mit einem gewissen Optimismus, inspiriert von der Präzision der Arbeit im Deutsche-Bahn-Konzern.
Nachhaltigkeit und Verkehrswende
Die Notwendigkeit einer Verkehrswende wird immer dringlicher, insbesondere angesichts der Tatsache, dass der Verkehrssektor in Deutschland 2019 rund 165 Millionen Tonnen CO2 ausstieß, was fast dem Niveau von 1990 entspricht. Um die Klimaziele zu erreichen, wird ein Rückgang der Emissionen auf 85 Millionen Tonnen CO2 bis 2030 gefordert. Hierbei spielt die Deutsche Bahn eine entscheidende Rolle, denn der Schienenverkehr ist eine umweltfreundliche Alternative zum Straßenverkehr, der 96 % der Treibhausgasemissionen im Verkehr verursacht.
Die Elektromobilität wird als eine der möglichen Lösungen zur Reduzierung der Emissionen angesehen, allein sie ist nicht ausreichend. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist ebenfalls entscheidend, um die Klimaziele zu erreichen. Der Bundesverkehrswegeplan sieht für den Straßenbau 133 Milliarden Euro vor, während nur 112 Milliarden Euro für den Schienenausbau eingeplant sind. Dies zeigt, dass eine tiefgreifende Transformation der Mobilitätsbranche notwendig ist, um nachhaltige Mobilität wirklich umzusetzen.
Ismail Ertuğ hat sich der Herausforderung angenommen, nicht nur die Deutsche Bahn in der Region zu repräsentieren, sondern auch aktiv an der Gestaltung einer umweltfreundlicheren Mobilität mitzuwirken. Mit seiner umfangreichen Erfahrung und dem Engagement für nachhaltige Lösungen könnte er einen entscheidenden Beitrag zur Verkehrswende leisten.