Das deutsche Filmwesen sieht sich einem historischen Wendepunkt gegenüber: 14 bedeutenden Persönlichkeiten, darunter auch der berühmte Schauspieler Heinz Rühmann sowie die umstrittene Leni Riefenstahl, wird posthum die Ehrenmedaille der Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft (SPIO) entzogen. Diese schockierende Entscheidung basiert auf einer umfassenden Studie des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) in München, die die NS-Vergangenheit von Führungspersonen und Preisträgern beleuchtet. Wie Welt berichtet, stehen die betroffenen Stars als „NS-belastet“ oder „NS-konform“ im Fokus.
Wer hat es getroffen? Neben Rühmann und Riefenstahl sind auch Alfred Bauer, August Arnold und Olga Tschechowa unter den Namen, die nun die Medaille verlieren. Peter Schauerte, Präsident der SPIO, hebt die gesellschaftspolitische Verantwortung der Organisation hervor und betont, dass diese Maßnahme ein starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Diskriminierung setzen soll.
Die Norm der Vergangenheit
In einem historischen Gutachten von Historiker Bernhard Gotto wurde das Verhalten jener Filmgrößen während und nach der NS-Zeit untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Rühmann, obwohl nie Mitglied der NSDAP, als „systemloyal“ eingestuft wurde. Ihm wird vorgeworfen, seine jüdische Frau aus Karrieregründen verlassen zu haben, wenngleich er sie im Exil finanziell unterstützte. Riefenstahl hingegen ist vor allem für ihre Propagandaarbeiten während der NS-Zeit bekannt, darunter Dokumentarfilme über die Olympischen Spiele 1936 und die NS-Parteitage, was die SPIO als „schweren Fehler“ bezeichnet, die Ehrenmedaille im Jahr 2002 zu verleihen.BR ergänzt, dass die Aberkennung auch eine Reaktion auf öffentliche Proteste ist.
Diese Neubewertung ist Teil einer größeren Untersuchung, in deren Rahmen 89 historische Persönlichkeiten bewertet wurden. Bis zu 40% konnten nicht eindeutig eingeordnet werden, während 13 Filmschaffende als „belastet“ gelten. Einige von ihnen waren sogar an schwerwiegenden Verbrechen, einschließlich der Ausbeutung von Zwangsarbeitern, beteiligt.
Ein Neues Zeitalter für die Filmbranche
Mit dem Entzug der Ehrenmedaille geht die SPIO einen Schritt weiter und plant, die bestehende Auszeichnung durch einen neuen Preis zu ersetzen, der nicht nur die künstlerische Leistung, sondern auch das gesellschaftspolitische Engagement der Preisträger berücksichtigt. Spio-Präsident Schauerte unterstreicht die Notwendigkeit dieser Veränderungen, besonders angesichts des Erstarkens rechtsextremer Ansichten in der Gesellschaft und im Hinblick auf das 100-jährige Bestehen der Organisation.
Die Diskussion über die Vergangenheit des Deutschen Films und die Rollen, die viele bekannte Persönlichkeiten darin spielten, ist noch lange nicht zu Ende. Der Entschluss, diese Auszeichnungen zurückzunehmen, könnte der Auftakt zu einer umfassenderen Reflexion über die eigene Geschichte und Verantwortung sein. Wie Spiegel hervorhebt, bleibt abzuwarten, wie sich das Filmklima in Deutschland ändern wird und ob diese Maßnahmen tatsächlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen.