Die Sanierung der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim ist ein ambitioniertes Projekt, das mit hohen Erwartungen gestartet ist. Die Gesamtkosten für die Sanierung belaufen sich auf 1,5 Milliarden Euro, mit dem Ziel, die Pünktlichkeit im Bahnverkehr signifikant zu verbessern. Dennoch zeigt ein Bericht des „Tagesspiegels“, dass die angestrebte Reduzierung der Verspätungen um 80 Prozent nicht erreicht wurde. Tatsächlich sanken die infrastructurebedingten Verspätungen nur um 40 Prozent. Unvorhergesehene Probleme, wie Weichenstörungen und Baustellen, trugen weniger zur gewünschten Verbesserung bei als ursprünglich angenommen. Schlimmer noch: Laut dem Bericht verursachten Telekommunikationsanlagen und einzelne Bauwerke sogar mehr Verspätungen als vor der Sanierung. Trotzdem wurde die Gesamtzahl der Verspätungen auf der Riedbahn von 64.000 Minuten jährlich auf 38.000 Minuten reduziert (T-Online).

Die Riedbahn ist einer der am stärksten genutzten Eisenbahn-Korridore in Deutschland. Täglich verkehren hier über 300 Züge im Regional-, Fern- und Güterverkehr. Die Infrastruktur ist jedoch überaltert und störanfällig, was die Notwendigkeit der Generalsanierung unterstreicht. Diese wird von Mitte Juli bis Mitte Dezember 2024 durchgeführt. Während der Sanierungsarbeiten werden Fern- und Güterzüge über Umleitungsstrecken geleitet, während der Regionalverkehr durch 150 neue Überland- und Gelenkbusse ersetzt wird. Die Riedbahn ist zudem ein Pilotprojekt der Deutschen Bahn (DB) für ein Hochleistungsnetz, das darauf abzielt, Pünktlichkeit zu erhöhen und gleichzeitig attraktive Bahnhöfe sowie leistungsfähige Infrastruktur zu schaffen (DB Presse).

Umfangreiche Erneuerungen für die Zukunft

Die Generalsanierung umfasst beeindruckende Maßnahmen: 117 Kilometer Gleise, 152 Weichen, 140 Kilometer Fahrdraht, 15 Kilometer Lärmschutzwände und 230.000 Schwellen sollen erneuert werden. Zudem sind 380.000 Tonnen Schotter und die Modernisierung von 20 Bahnhöfen Teil des Plans. Ein neuer Ansatz ermöglicht es, viermal so viel Bauvolumen wie bisherige Verfahren zu realisieren. Die Leit- und Sicherungstechnik wird ebenfalls umfassend erneuert, was die Installation von 1.200 Elementen und neuen elektronischen Stellwerken (ESTW) in Walldorf, Gernsheim und Mannheim-Waldhof umfasst.

Die Riedbahn wurde im 19. Jahrhundert erbaut und ist für Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h zugelassen. Der Bund hat zudem eine Neubaustrecke zwischen Frankfurt/Main und Mannheim im Bundesverkehrswegeplan 2030 bestätigt, deren Inbetriebnahme voraussichtlich in den 2030er Jahren erfolgen soll. Diese Maßnahmen sind nicht nur wichtig für den Personenverkehr, sondern auch für den Güterverkehr, da die Strecke mit drei transeuropäischen Güterverkehrskorridoren verbunden ist.

Ein neues Konzept für Bau und Betrieb

Um die Herausforderungen im Schienenverkehr besser zu meistern, wurde 2023 das Programm „SB² – Bauen im Takt“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, Fahren und Bauen besser in Einklang zu bringen und den Bahnbetrieb trotz hohem Baubedarf zu stabilisieren. Ab dem 15. Juli 2024 werden Instandhaltungsarbeiten im Vier-Wochen-Takt in sogenannten IH-Containern durchgeführt. Über 80 Prozent der Instandhaltungsarbeiten werden von Juli bis Dezember 2024 taktkonform durchgeführt. Dies soll eine hohe Planbarkeit für die Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) gewährleisten und die Dauerhafte Erhaltung der Anlagen in gutem Zustand fördern (DB Lagebericht).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Sanierung der Riedbahn ein bedeutendes Vorhaben für die Zukunft der Bahninfrastruktur in Deutschland darstellt. Trotz anfänglicher Enttäuschungen über die Pünktlichkeit zeigen die umfassenden Pläne für Erneuerungen und die strategischen Konzepte zur Instandhaltung, dass die Deutsche Bahn bestrebt ist, die Herausforderungen des Schienenverkehrs zu meistern und einen stabilen, pünktlichen und modernen Bahnverkehr zu gewährleisten.