Das Hutzelfeuer, ein traditionsreicher Brauch, der in den Dörfern rund um Fulda und in der malerischen Rhön zelebriert wird, steht vor der Tür. Am ersten Sonntag der Fastenzeit, der in diesem Jahr auf den 21. Februar fällt, versammeln sich die Dorfbewohner, um gemeinsam das Ende des Winters zu feiern. Der Name leitet sich von „Hutzeln“ ab, den getrockneten Birnen oder Zwetschgen, die einst als Wintervorrat dienten. Dieses Fest symbolisiert nicht die Auferstehung, wie das Osterfeuer, sondern vielmehr die Austreibung des Winters und gilt als eines der bekanntesten Rituale Osthessens. Der Brauch hat seinen Ursprung vermutlich in vorchristlichen, keltisch-germanischen Frühlingsritualen und ist älter als viele Feste, die wir heute kennen, wie beispielsweise Weihnachten. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Die Vorbereitungen für das Hutzelfeuer sind ein Gemeinschaftsprojekt. Holzreste, Stroh und Zweige werden von Vereinen, Freiwilligen Feuerwehren und Jugendlichen gesammelt, um einen großen Holzstoß zu errichten, der dann in der Nacht des Festes entzündet wird. Traditionell werden auch die nach Weihnachten entsorgten Tannenbäume in das Feuer gegeben, und oft wird eine Strohpuppe, die „Hutzelhexe“, verbrannt, um den Winter endgültig zu vertreiben. In der Region Fulda gibt es mehrere Orte, an denen das Hutzelfeuer stattfindet. Die genauen Termine und Veranstalter sind dabei oft variabel und werden von örtlichen Organisationen wie Bürgervereinen oder Feuerwehrgruppen organisiert.

Ein Brauch mit Geschichte

Das Hutzelfeuer ist nicht nur ein Fest, sondern auch Teil der sozialen Identität und Gemeinschaft in der Region. In Bischofsheim in der Rhön beispielsweise wird der „Fackelsonntag“ am 4. Fastensonntag gefeiert. Der Brauch des Hutzelfeuers hat im Fuldaer Land sogar das alte Johannisfeuer verdrängt. Interessanterweise sind ähnliche Traditionen auch in Dörfern in Südungarn zu finden, wo sich Siedler aus dem Hochstift Fulda niedergelassen haben. Diese Verbreitung des Brauchs zeigt die kulturelle Verbundenheit und den Austausch, der über die Jahrhunderte hinweg stattgefunden hat. Erfahren Sie mehr darüber hier.

Die Ursprünge des Hutzelfeuers reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Bis 1919 war das Fest kirchlich verboten, um zu verhindern, dass die Menschen während der Fastenzeit ausschweifende Feiern veranstalteten. Heutzutage wird das Hutzelfeuer meist von der Jugendfeuerwehr oder Sportvereinen organisiert. Der Ablauf ist gut strukturiert: Im November sammeln die „Hutzeljungs“ Holz im Wald, und kurz nach Weihnachten kommen die alten Tannenbäume zum Einsatz. Am Fastensonntag wird der Holzhaufen dann mit Stroh präpariert und um 19 Uhr entzündet. Die „Hutzeljungs“ beten das „Vater Unser“ und entzünden das Feuer auf Kommando des „Hutzelbocks“, der die Verantwortung für das Fest trägt.

Soziale Bedeutung und Wandel

Der Brauch fördert nicht nur die Gemeinschaft, sondern hat auch eine hohe soziale Bedeutung. Die Veranstaltung zieht regelmäßig 100 bis 150 Besucher an, darunter sowohl Dorfbewohner als auch Gäste aus der Umgebung. Die „Hutzeljungs“, meist im Alter zwischen 10 und 20 Jahren, sind freiwillig beteiligt und beanspruchen eine wichtige Rolle im Dorfleben. Doch auch dieser Brauch hat sich im Laufe der Jahre verändert. Die Besucherzahlen nehmen ab, und die Tradition wird in der heutigen Zeit oft als Teil der Identität im Landkreis Fulda angesehen. Lesen Sie hier weiter für mehr Informationen.

Das Hutzelfeuer zeigt eindrucksvoll, wie tief verwurzelt Traditionen in der Kultur einer Region sind und wie sie über Generationen hinweg weitergegeben werden. Diese Feierlichkeiten sind nicht nur ein Fest, sondern auch ein bedeutendes soziales Ereignis, das die Dorfgemeinschaft stärkt und die Menschen zusammenbringt.